IG-Metall will Streik
Die verzwickte Lage der Unternehmer

Die Lohnforderungen der Gewerkschaften kollidieren mit den verhaltenen Prognosen der Unternehmer: Der Aufschwung wäre durch zu große Lohnerhöhungen gefährdet. Insgesamt droht ein Streik der Metaller und damit neue Probleme.

DÜSSELDORF. Immer schneller dreht sich der in zwei Klammern gespannte Stahlzylinder. Ein Hobel fährt an das Werkstück heran. Stahlspäne fliegen durch die Luft. Durch eine Glasscheibe geschützt, blickt ein Arbeiter auf den Drehhobel. Nachdem er geprüft hat, dass alles rund läuft, geht er ein paar Schritte zur nächsten Maschine und setzt diese in Gang. Der Arbeiter bedient zwei Drechsel-Automaten gleichzeitig. Die modernen Apparate stehen in den Werkshallen der Firma Desch Antriebstechnik, die Getriebe und Kupplungen für den Maschinenbau herstellt.

Das Unternehmen sitzt in Arnsberg im Sauerland, eine gute halbe Autostunde östlich des Ruhrgebiets. Insgesamt arbeiten 220 Menschen in den Werkshallen. Der Getriebehersteller steht beispielhaft für die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie der Region. Es sind überwiegend mittelständische Betriebe, bei denen häufig die Inhaber auch die Geschäfte führen.

Die Forderungen der IG-Metall nach einem Lohnzuschlag von 6,5 Prozent stoßen bei ihnen auf Unverständnis. „Die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen unserer Region hat sich im vergangenen Jahr gebessert“, sagt Egbert Neuhaus, Chef des Unternehmensverbands Südöstliches Westfalen. „Wenn sich diese Erfolge fortsetzen sollen, müssen wir aber eine moderate Lohnpolitik betreiben.“

Tatsächlich legten in dem Sektor bundesweit die Auftragseingänge um satte zehn Prozent zu. Doch der Branchenverband warnt vor übertriebener Euphorie. „Rund 30 Prozent der Betriebe schreiben nur eine schwarze Null“, sagt Heike Maria Kunstmann, Hauptgeschäftsführerin von Gesamtmetall. „In unserem Verband haben sich völlig verschiedene Unternehmen zusammengeschlossen, die in unterschiedlichen Konjunkturlagen stecken.“

Daher wollen die Unternehmer in den anstehenden Tarifverhandlungen an der Klausel aus der vergangenen Runde festhalten, die eine flexible Einmalzahlung vorsah. Je nach wirtschaftlicher Lage des einzelnen Unternehmens konnten Geschäftsführung und Betriebsrat eine Kürzung oder auch Streichung des Konjunkturzuschlags von 310 Euro vereinbaren - ohne dass die Tarifparteien ihren Segen geben mussten. Das Paket aus einmaligem Zuschlag und dauerhaftem Gehaltsanstieg dürfe aber nicht über dem Anstieg des Vorjahres liegen, betont Kunstmann. Der summierte sich auf rund drei Prozent.

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