IG Metall wirft GM "Abschlachten" der Arbeitsplätze vor
Gewerkschaften stoßen bei Autokrise an ihre Grenzen

Die Krise beim Autobauer Opel führt den Gewerkschaften schlagartig vor Augen, wie eng ihr Handlungsspielraum in dieser Branche inzwischen ist. Zumal sie auch nicht das Vertrauen der Arbeitnehmer verlieren wollen.

HB HAMBURG. „Die Gewerkschaften sind in einer schwierigen Situation. Die meisten sehen, dass die Besitzstände so nicht aufrechterhalten werden können. Auf der anderen Seite wollen die Gewerkschaften das Vertrauen der Arbeitnehmer nicht verlieren“, sagte Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen. Im Fall des von Stellenkürzungen bedrohten Opel-Standorts Bochum können die Beschäftigten aus Angst um ihre Arbeitsplätze zwar ein ganzes Werk blockieren und damit europaweit die Produktion des weltgrößten Autoherstellers General Motors lahm legen. Über die Zukunft ihrer Arbeitsplätze entscheidet aber die GM-Zentrale in Detroit. Appelle deutscher Politiker, die sich für den Erhalt der Arbeitsplätzen hier zu Lande einsetzen, finden kaum Gehör.

Die Beschäftigten anderer Autokonzerne haben diese Erfahrungen bereits gemacht. So mussten die US-Beschäftigten der Daimler-Chrysler-Tochter Chrysler vor einigen Jahren ähnlich einschneidende Kürzungen hinnehmen, wie sie jetzt bei Opel in Deutschland anstehen. Die Richtung wurde damals in der Stuttgarter Zentrale des Daimler-Konzerns vorgegeben.

In die Zwickmühle zwischen den Sparzwängen des Unternehmens und den Ansprüchen der Beschäftigten ist die Gewerkschaft IG Metall jetzt bei Opel geraten, wo die Belegschaft in Bochum - zunächst ohne Rückendeckung der Gewerkschaft - auf die Barrikaden ging und das Werk blockierte. Inzwischen ziehen Gewerkschaft, Betriebsrat und Belegschaft an der Ruhr wieder an einem Strang. Die IG Metall spürt den Druck, der auf die Löhne und Gehälter in der Autobranche - dem wichtigsten Organisationsbereich der größten Industriegewerkschaft - lastet. Gewerkschaftschef Jürgen Peters kritisierte das „Abschlachten“ von Arbeitsplätzen durch GM im fernen Detroit. Er ließ gleichzeitig aber Kompromissbereitschaft erkennen: „Wir haben auch hier nicht ausgeschlossen, dass wir versuchen werden, etwas zur Restrukturierung beizubringen“, sagte Peters am Sonntag in der ARD-Sendung „Sabine Christiansen“.

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