Illner-Talk zur Euro-Krise
„Nehmt doch unser Pfund!“

An einem vielleicht historischen Abend diskutierten der enorm gelassene Klaus von Dohnanyi, der ewige Wahlkämpfer Markus Söder und ein äußerst britischer Brite bei Maybrit Illner verblüffend sachlich über die Euro-Krise.
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BerlinAngela Merkel zaudert ständig, regiert aber auch viel zu dominant; die amerikanischen Ratingagenturen arbeiten gegen den Euro und haben völlig recht mit ihren Warnungen - wer auch nur sporadisch aktuelle Medien verfolgt, weiß, dass zu diesen und vielen verwandten Problemen im Moment alle Meinungen oft relativ fundiert vertreten werden und bis auf weiteres ja auch nicht widerlegbar sind. Kleine Überraschung gestern Abend im ZDF bei Maybrit Illner: Die mal wieder marktschreierisch auf RTL2-Alliterations-Niveau betitelte Ausgabe "Merkel, Macht und Märkte - Deutschland bald auf Ramschniveau?" bündelte viele Argumente dazu in sinnvoller Form.

Die Tagesordnung begann mit der Ratingagenturen-Frage. Wenige Minuten zuvor erst hatte der Programm-Trailer zur ZDF-Eigenwerbung angekündigt, dass in der Markus-Lanz-Show im Anschluss Rainer Brüderle auftreten wird, da bescheinigte Dirk Müller diesem auch schon, mit seiner Ratingagenturen-Kritik Recht zu haben. Unternehmen wie Standard & Poor's seien "keineswegs demokratisch legitimiert" und arbeiteten "mit großer Nähe zur amerikanischen Politik", sagte der aus vielen Talkshows bekannte "Mister Dax".

Klaus von Dohnanyi, sowohl als "Grandseigneur" der SPD wie auch als "Merkel-Freund" angekündigt, plädierte für Gelassenheit und strahlte diese zumindest selbst gleich aus. Es dürften in Europa bloß keine gesetzlichen Konsequenzen mehr an Entscheidungen der Ratingagenturen geknüpft werden. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen und mit 39 Jahren bereits fast so graumeliert wie Dohnanyi, demonstrierte die von Oppositionsvertretern in Talkshows auch eher selten geübte Kunst des Differenzierens (Ratingagenturen müssen zwar Macht verlieren, dürften aber nicht zum Sündenbock gemacht werden).

Bloß Markus Söder, seit November frischgebackener Finanzminister Bayerns, packte die Chance, Wahlkampf zu machen, beim Schopf. Zumindest Bayern würde das beste Rating verdienen. Dennoch: So sachlich wurde das Thema nicht oft im Fernsehen behandelt; zwischendurch hatte man auch von der chinesischen Ratingagentur erfahren, von der man selten hört, und von der US-amerikanischen Gesetzgebung, die nichtamerikanische Agenturen entscheidend benachteiligt.

Kommentare zu " Illner-Talk zur Euro-Krise: „Nehmt doch unser Pfund!“"

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  • Klaus von Dohnanyi, SPD, tourt nun schon einige Zeit wieder durc die Medien und spielt den Allwissenden in oberlehrerhafter Pose.
    Außerdem macht er Wahlkampf für Merkel, was schon verwunderlich genug ist.
    Er ist ein Dummschwätzr der sich allerdings für den Klügsten auf Gottes Erdboden hält.
    Er ist nichts weiter als ein unangenehmer Wichtigtuer
    Ich bin nicht der Meinung, dass solche Leute noch viel Rederaum bekommen müssen.
    Dann der engl. Journalist und die franz. Journalistin, offenbar auch Merkel - Anhänger. Sie vertraten keineswegs die Meinung ihres jeweiligen Volkes, auch wenn sie uns das glauben machen wollten.
    Die Zübrigen Zeitungen ihrr Länder sagen da aber was ganz anderes
    Bis auf DAX-Müller waren offenbar alle Anhänger von Merkel, was für eine dämliche Runde.
    Paßt aber zu der hohlen Illner

  • Schlimmer noch, es besteht aus dem ziemlich dürftigen Versprechen an alle steuerflüchtigen Kapitalbesitzer, ihr Geld auch zukünftig vor den gierigen Händen der Eurokraten zu schützen. Einem Versprechen, dass durch den eisernen Willen geprägt ist, bis zur letzten Pfundnote Privilegien zu verteidigen, die noch aus dem viktorianischen Zeitalter stammen, während der Rest der Welt weder britische Waren, noch britische Verhältnisse in seinen Ländern sehen möchte. Während die Realwirtschaft der restlichen Welt wieder Werte schafft, dürfen sich Pfund-Anleger in naher Zukunft über eine Verdoppelung Ihrer angelegten Summen freuen, für die es dann allerdings nur noch halb so viele Waren zu kaufen gibt...

    Also ich finds gut, dass die Tommies jetzt draußen bleiben müssen! Vielleicht hat dann auch die ewige Querschießerei ein Ende!

  • @whoknows Mich gruselt es mittlerweile vor Leuten wie Ihnen, die offenbar völlig unreflektiert dieses typische Klischee vom unfähigen Staat immer und immer wiederkäuen, ja sogar für die blanke Wahrheit halten. Ist Ihnen in den vergangenen Jahren etwa entgangen, dass die Probleme im Euroraum mit den Problemen im privaten Finanzsektor erst angefangen haben? Haben Sie noch nicht mitbekommen, dass die Saaten der Peripherie die von privaten geforderten Zinssätze für die Neuaufnahme von Krediten nicht mehr zahlen konnten? Kredite deren überwiegender Zweck darin bestand alte Kreditverpflichtungen zu bedienen? Wo haben Sie ihren Verstand gelassen? Etwa im Büro der deutschen Bank, die Sie bezahlt?

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