Illner-Talk zur US-Wahl
„In Deutschland wäre Obama bei der FDP“

Was der neue, alte US-Präsident künftig anders machen wird, weiß man auch seit Maybrit Illners gestriger Talkshow noch nicht präziser. Aber die Gäste hatten ein paar schöne Bonmots parat, etwa über Merkels Mundwinkel.
  • 13

Außenpolitik ist selten Thema in deutschen Polit-Talkshows, schon weil hochrangige aktive Politiker, die schließlich jede diese Sendungen zieren, sich über andere Staaten nur ungern kontrovers äußern. Außerdem interessiere Außenpolitik das Einschaltquote-Publikum nicht, heißt es.

Nachdem ARD und ZDF in den letzten Tagen mit enormem Aufwand von der amerikanischen Präsidentschaftswahl berichtet haben, konnte aber außer Anne Will am Mittwoch in der ARD ("Obamas zweite Chance - hat er sie verdient?") auch Maybrit Illner am Donnerstag im ZDF das Thema bereden.

"Neue Chance, alte Krisen - was wird Obama nun anders machen?", lautete ihr Thema. Dass die titelgebende Frage, die schließlich dazu dient, im Voraus Zuschauer anzulocken, am Ende oft unbeantwortet bleibt, sind regelmäßige Talk-Zuschauer gewohnt. Immerhin fügte die Moderatorin bei ihrem Einstieg den Nachklapp "Und wäre das Beste für die Vereinigten Staaten auch gut für uns?" hinzu, und dem blieb sie selbst treu.

Ihre kleine, nur vierköpfige Gästerunde enthielt keine aktiven Politiker, mit dem früheren CDU/ CSU-Fraktionschef Friedrich Merz und dem SPD-Veteranen Egon Bahr bloß zwei sehr ehemalige. Sie war aber fein besetzt, beispielsweise mit dem deutsch-amerikanischen Unternehmenschef Martin Richenhagen. Seit einem Jahr besitzt er auch die US-Staatsbürgerschaft, und er hat Romney gewählt, gab er gleich anfangs preis. (Und dass das ZDF aus irgendeinem Grund die von ihm geleitete Firma und deren deutschen Zweig nicht nennen mag, war ihm von seinem letzten Illner-Auftritt vertraut, so dass er es schnell selber tat: "Fendt, so 'ne Traktorfirma").

Merz glaubt also, dass Obama in seiner zweiten Amtszeit das gespaltene Amerika einigen werde; in Bill Clintons zweiter Amtszeit sei das ja auch so gekommen. Bahr glaubt also, dass bereits heute nur die Partei die USA regieren könnte, die auch Latinos und Farbige hinter sich versammeln könne (dass das wording des 90-Jährigen, der bald darauf auch ein "Mehr Demokratie wagen!" in den Raum stellte, aus einer anderen Zeit stammt, kann ihm wirklich keiner vorwerfen). Die CNBC-Journalistin Silvia Wadhwa glaubt, dass zu den Problemen der US-Wirtschaft auch zu geringe Investitionen in Infrastrukturen wie das Stromnetz gehören, was wiederum in der Abneigung gegen staatliche Investitionen begründet sei. Kurzum: Die nur vier Gäste boten einen Cocktail aus fundierten Ansichten, von denen freilich viele vielen Mediennutzern in den letzten Tagen schon begegnet sein könnten.

Seite 1:

„In Deutschland wäre Obama bei der FDP“

Seite 2:

Sie waren sich ziemlich einig in gemäßigter Obama-Sympathie

Kommentare zu " Illner-Talk zur US-Wahl: „In Deutschland wäre Obama bei der FDP“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich habe vergessen, dass ich auch nur gute Zeitungen lese.
    Die Auswahl an meinem Kiosk ist frei. Unser Problem sind also nicht schlechte TV-Angebote oder ein mieses Print-Angebot, sondern nur die, die nicht entsprechend auswählen meint Karl Jobig, PFDE Dresden.

  • Selten so einen Quatsch gelesen,aber sei's drum, verehrter Kommissar.
    Talkshows liefern Denkanstöße (manchmal/ nicht immer).
    Ich sehe nur gute TV-Sendungen. Das Geheimnis liegt bei der Auswahl und dem Ein- und Ausschalter (on and off)sagt Karl Jobig, Dresden (PFDE)

  • @Kommissar
    Warum haben Sie denn diesen Schwachsinn eingeschaltet? oder doch nicht? In diesem Fall, wieso kommentieren Sie über etwas, was Sie gar nicht sehen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%