Ilse Aigner
„Die Philosophie hinter der Facebook-Timeline ist absurd“

Verbraucherministerin Ilse Aigner kritisiert die neueste Facebook-Entwicklung als „Farce“. Im Interview erklärt sie, welche Gefahren Datenkraken bergen und weshalb sie Vermögensberatung auf Honorarbasis befürwortet.
  • 7

Frau Aigner, sind Sie froh, dass dieses schwierige Jahr 2011 zu Ende geht?

Ilse Aigner: Ich glaube, dass jeder nach einem politisch so turbulenten Jahr froh ist, wenn einige Tage der Besinnung einkehren.

Die Koalition befindet sich seit Monaten im Stresstest.

So könnte man es ausdrücken. Es war für alle ein sehr forderndes Jahr. Es gab Entscheidungen, die uns sehr schwer gefallen sind. Die gesamte Euro-Rettung hat natürlich langfristige Konsequenzen, über die abzustimmen nicht einfach war. Das hat die Bürger zu Recht bewegt.

Innenpolitisch wäre der Union fast die FDP als Koalitionspartner abhandengekommen.

Mal langsam! Die FDP ist auf einem guten Weg, und wir als Union arbeiten gut mit den Liberalen zusammen. Durch den Mitgliederentscheid hat die FDP jetzt eine wichtige Klärung herbeigeführt. Ich gehe davon aus, dass die FDP weiter mit ganzer Kraft daran arbeitet, dass die Koalition insgesamt und damit auch die FDP an Zustimmung gewinnt.

Wird die Union der FDP dabei helfen?

Selbstverständlich.

In welcher Form?

Als Koalitionspartner unterstützen wir uns selbstverständlich. Das heißt ja nicht, dass wir in allem einer Meinung sind. Aber Debatten über eine gemeinsame Position müssen nicht unbedingt in der Öffentlichkeit geführt werden. Wichtig ist, dass die Koalition nach außen geschlossen auftritt, dass sie gefundene Kompromisse gemeinsam vertritt und es versteht, ihre Erfolge deutlich zu machen.

Auch Sie hatten persönlich Ihre Stresstests, vor allem bei Lebensmitteln. Wie sieht aus Ihrer Sicht eine gesunde Balance zwischen Verbraucher und Wirtschaft aus?

An erster Stelle und über allem steht die Sicherheit der Lebensmittel. Wichtig ist aber auch ein Höchstmaß an Transparenz. Dann können sich die Verbraucher optimal informieren und entscheiden. Deswegen haben wir etwa mit der Verbraucherzentrale ein Internetportal aufgebaut, um mit den Verbrauchern über die Kennzeichnung von Lebensmitteln zu diskutieren.

Jeder erwartet, dass die Produkte im Geschäft in Ordnung sind. Wie mündig kann und will der Verbraucher sein?

Keine Frage: Die Behörden müssen zu jeder Zeit gewährleisten, dass alle Lebensmittel sicher sind. Ihre Frage impliziert, es gäbe den klassischen Verbraucher. Aber den gibt es nicht. Es gibt gut informierte Konsumenten, sehr kritische und nachdenkliche, aber eben auch solche, für die ein möglichst niedriger Preis wichtiger ist als transparente Kennzeichnung der Lebensmittel.

Kommentare zu " Ilse Aigner: „Die Philosophie hinter der Facebook-Timeline ist absurd“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wann verstehen die Leute endlich, dass Facebook eine Firma und kein geminnütziger Verein ist?

    Irgendwie muss die Firma ja Geld verdienen. Und wer nicht will, dass seine Daten irgendwo gespeicehrt werden, der soll die Daten einfach nicht ins Netz stellen....

    Die ewig gestrigen wieder... meine Güte

  • Im Bereich Bankberatung gibt es mit "Zuwax" bereits Start-up´s die sich der profitorientierten Beratung angenommen haben und die Schwächen aufzeigen. Provisionsfreies Geldanlegen dürft so in naher Zukunft auch für Laien kein Problem mehr sein.

  • Macht Facebook nun auch Vermögensberatung?

    Wieder mal ein Interview unter dem Motto abhängiger Bewunderer stellt deshalb banale Fragen, weil er Angst davor hat, daß seine Unwissenheit bei einer investigativen Fragestellung offengelegt wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%