Ilse Aigner
Ilse Aigner: Lieber Märchen als Bauernprotest

Während die Bauern im Allgäu und die Fischer an der Nordseeküste demonstrieren, besucht Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner eine Grundschule - und erzählt dort die Geschichte vom Fischer und seiner Frau. Ihre Botschaft: Man muss auch mal mit dem zufrieden sein, was man hat.

BERLIN. Ilse Aigner steht vor einer Schar Grundschüler, die sich auf bunten Kissen tummeln. Sie haben die Schuhe extra ausgezogen, immerhin gibt es eine Märchenstunde. Die Frau vor ihnen haben sie zwar noch nie gesehen, dafür kennen sie auf Nachfrage schon Angela Merkel. "Respekt", sagt Aigner.

Die Bundeslandwirtschaftsministerin setzt sich in den samtbezogenen Lesesessel, den ihr das gastgebende Zentrum für Märchenkultur hingestellt hat. Auf dem Tisch liegt ein Buch der Gebrüder Grimm, daneben verrät ein Korb mit Obst und Gemüse ein wenig über Aigners Job. "Wisst ihr, wofür ich außer Landwirtschaft und Ernährung noch zuständig bin", fragt sie. "Für Bauernhöfe", sagt ein Kind. "Was ist nicht in der Luft und nicht auf der Erde", fragt Aigner weiter. "Fische", rufen die Kinder. "Richtig!" Aigner liest vom Fischer und seiner Frau.

Während die Frau in die Welt des Märchens abtaucht, nehmen Fischer in der realen Welt Kurs auf Bremerhaven - 170 der noch 240 Boote umfassenden deutschen Flotte. Aus Holstein, der Wesermarsch und aus Ostfriesland stammen sie. An den Masten wehen nicht wie sonst die bunten Fähnchen für die Touristen. An diesem Tag sind es schwarze Flaggen. Es geht für sie ums Überleben, darum demonstrieren sie auf dem Fischereitag.

Die Seeleute schimpfen über die EU-Kommission, die eine strenge elektronische Überwachung der Fischer verlangt. "Die Kontrollverordnung geht so nicht", wettert Fischereipräsident Holger Ortel. Hinzu kommt noch das leidige Thema der Fangquoten. Die will die EU kürzen und einem Auktionsverfahren unterwerfen. "Wir wollen keinen Quotenhandel", sagt Ortel. Dann hätten nur noch die großen Fischereien eine Chance, nicht aber die kleinen. Am Ende fischen nur noch Portugiesen und Spanier in der Nordsee, fürchten sie. Aigner fehlt heute.

Ortel kommt aus dem niedersächsischen Delmenhorst, Aigner aus dem bayerischen Bad Tölz. Sie kennt die Fischerei aus dem Grimm-Märchen, Milchbauern sind ihr näher. Näher, als ihr lieb ist. Seit Monaten rauben sie ihr Kraft. Fischer und Bauern, das hat für viele etwas Romantisches und Märchenhaftes mit Angel und Pflug. Familiär wollen einige Bauern bleiben - mit Hilfe der Politik.

Weil der Druck groß ist, reden heute auf dem Deutschen Bauerntag in Stuttgart Bundeskanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Franz Müntefering und der Liberalenführer Guido Westerwelle. Sie wollen helfen. Die Bauern aber erwartet der von der EU vorgeschriebene Wettbewerb. Keine rosigen Aussichten für Bergbauern und auch nicht für die Kutterfischer.

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