Im Gespräch mit dem Handelsblatt: Huber warnt vor gewaltiger Energielücke

Im Gespräch mit dem Handelsblatt
Huber warnt vor gewaltiger Energielücke

Sollte Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber seiner Favoritenrolle im Kampf um den CSU-Vorsitz gerecht werden, dann wird sich die SPD in Berlin auf ein noch härteres Ringen in der Energiepolitik einstellen müssen.

HB MÜNCHEN. „Der größte Schlag für die Klimaschutzpolitik wäre der bislang geplante Ausstieg aus der Kernenergie“, sagte Huber im Gespräch mit dem Handelsblatt. Huber kritisierte die „verblendete Haltung“ der SPD in dieser Frage. Mit seinem klaren Votum für die Nutzung der Kernenergie stellte Huber die Große Koaltition in einem entscheidenden Punkt infrage, sagt Heino Elgert, Herausgeber des Hamburger Fachblatts Energie-Informationsdienst, gegenüber dem Handelsblatt. Der Koalitionsvertrag sei eindeutig und signalisiere einen Stopp für die Kernkraft. Hubers hingegen setzt andere Akzente, seine energiepolitische Offensive gipfelt in der Aussage: „Wer für den Klimaschutz eintritt, der muss bei der nächsten Wahl für andere Mehrheiten sorgen und die Union wählen.“

„Wir steuern einer gewaltigen Energielücke entgegen“, warnte Huber und verwies auf das Beispiel Bayern. Dort produzierten die fünf Kernkraftwerksblöcke mehr als 60 Prozent des Stroms im Freistaat. Dagegen gebe es nur eine ernst zu nehmende Ersatzplanung für ein großes Gas-Dampfkraftwerk mit einer Leistung von insgesamt knapp 1500 Megawatt in Irsching bei Ingolstadt.

Bereits jetzt sei absehbar, dass Deutschland trotz aller Erfolge mit regenerativen Energien einen Atomausstieg nicht verkrafte. Grundsätzlich widersprach Huber der These, Gas könne die Kernenergie substituieren. Das sei ökologisch unverantwortlich und ökonomischer Unsinn, wegen hoher Gaspreise und der Importabhängigkeit. Huber verwies auf weitere Risiken, gerade für den Süden der Republik.

Der Ausbau regenerativer Energien sei hier bereits weit fortgeschritten. Bei Wasserkraft und Photovoltaik liege Bayern klar an der Spitze, zudem gebe es bereits 1300 Biogasanlagen im Freistaat. Wachstum bei erneuerbaren Energien in Deutschland sei aufgrund der Subventionen vor allem von großen Offshore-Windparks zu erwarten. Verbunden mit dem geplanten Ausbau der Kohle in Westdeutschland führe dies zu einer „verbraucherfernen“ Produktion und damit zu Nachteilen für die Versorgung des Südens der Republik, warnte Huber. In diesem Falle müssten in großem Maßstab neue, teure Leitungssysteme gebaut werden, für die es noch nicht einmal nennenswerte Planungen gebe. Von dezentralen, verbrauchernahen Erzeugungsstrukturen könne nicht die Rede sein. „Insofern steuern wir bei einem Atomausstieg auf ein enormes Risiko in der Energieversorgung“ zu, warnte Huber.

Der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt stützt diese Einschätzung des bayerischen Wirtschaftsminsiters. Eine klima- und standortverträgliche Substitution der Atomanlagen bleibe ein frommer Wunsch und schade vor allem dem Süden der Republik. Hinzu komme, dass die energiepolitische Konzeptionslosigkeit der jetzigen Bundesregierung auch den beiden deutschen präsidentschaften, in der EU und in der G-8, schade. Die Bundeskanzlerin könne mit nationalen Ausstiegsplänen keine Gestaltungsrolle für eine zukunftsfähige Energieversorgung beanspruchen, kritisierte Schmitt.

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