Im Gespräch mit: Jürgen Thumann
„Auf diesen Fonds kann Deutschland gut verzichten“

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, spricht mit dem Handelsblatt über Steuerentlastungen für deutsche Unternehmen und das Chaos bei der Gesundheitsreform.

Herr Thumann, in der Diskussion über die Unternehmensteuerreform treten Sie immer wieder als Nimmersatt auf. Wie viel Steuerentlastung hätten Sie denn gerne?

Eins muss man erst einmal festhalten: Die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder hat den großen Industrieunternehmen in sechs Jahren keine Nettoentlastung beschert. Allein im Jahr 2005 wurden die Großunternehmen um 7,7 Milliarden Euro zusätzlich belastet. Jetzt will uns die große Koalition um fünf Milliarden Euro entlasten. Aber auch das stimmt nur auf dem Papier. Tatsächlich sind es nämlich nur drei Milliarden Euro, weil der Bundesfinanzminister ganz trickreich die Entlastung der Privatanleger durch die Einführung einer Abgeltungsteuer eingerechnet hat. Das ist eine Milchmädchenrechnung.

Sie fordern also mehr Geld von der Regierung für die Wirtschaft?

Ich erwarte nur, dass die Bundesregierung ihre Versprechen einlöst und die Unternehmen um fünf Milliarden Euro entlastet. Aber solange kein Gesetzentwurf und keine Finanztableaus vorliegen, kann ich schlecht beurteilen, in welcher Höhe die Wirtschaft entlastet wird. Zudem ist es doch reichlich absurd, dass auf dem Job-Gipfel vor fast eineinhalb Jahren die Senkung der Körperschaftsteuer von Sozialdemokraten und Union beschlossen wurde und bisher nichts passiert ist.

Haben Sie Ihre Hoffnung begraben, dass die Unternehmensteuerreform pünktlich Anfang 2008 in Kraft treten kann?

Den Zeitplan für die Unternehmensteuerreform sehe ich nicht gefährdet. Ich verlasse mich darauf, dass der Finanzminister rechtzeitig einen Gesetzentwurf vorlegt, der dann zügig vom Kabinett beschlossen werden kann. Allerdings habe ich nicht den Eindruck, dass die Reform der Erbschaftsteuer, die die Unternehmensnachfolge erheblich erleichtern soll, pünktlich zu Beginn des nächsten Jahres fertig ist. Das wäre für den Mittelstand ein verheerendes Signal.

Der Bundesfinanzminister plant einen begrenzten Steuerabzug für Finanzierungskosten wie Fremdkapitalzinsen, Mieten und Leasinggebühren. Im Gespräch ist eine so genannte Zinsschranke. Was halten Sie von der Idee?

Auch das Modell einer Zinsschranke ändert nichts an dem grundsätzlichen Problem, dass es zu einer Besteuerung von Finanzierungskosten kommen soll. Eine solche Reform trifft aber vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen mit voller Wucht, da sie eine viel geringere Eigenkapitalausstattung als die großen Kapitalgesellschaften haben. Solche Unternehmen sind auf Fremdkapital angewiesen, eine Mindestbesteuerung von Finanzierungskosten ist da völlig kontraproduktiv. Deshalb lehne ich diesen Teil der Reform weiter strikt ab.

Seite 1:

„Auf diesen Fonds kann Deutschland gut verzichten“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%