Im Gespräch: Roland Koch
„Wer weiß denn heute, was Fiat wert ist?“

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) fordert die drei Opel-Bieter auf, die Ernsthaftigkeit ihrer Angebote durch den Einsatz eigenen Kapitals zu untermauern. „Wir wollen motivierte Unternehmer als neue Eigentümer haben“, so der Politiker im Handelsblatt-Interview. „Der beste Weg diese Motivation zu zeigen ist, dass man selbst etwas riskiert.“

Die Insolvenz bleibt als Option auf dem Tisch, sagt Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Ist das geschicktes Verhandeln oder redet da jemand das Scheitern der Rettungsbemühungen herbei?

Ich unterstelle zu Guttenberg nicht, dass er das Scheitern herbeiredet. Wir sind in einer wichtigen Phase der Verhandlungen. Es gibt keinen Bieter, der endgültig rausgeworfen ist. Es gibt für alle noch eine Chance. Wir haben aber wenig Zeit. Der, der das plausibelste Angebot hat, hat jetzt den Vorrang, das ist im Augenblick nach Überzeugung aller Magna. Aber auch Magna hat ein Konzept vorgelegt, bei dem wir als Staat noch alles verbürgen sollen.

Auch beim präferierten Bieter Magna gibt es noch viele offene Fragen: die Lastenverteilung mit dem Problem am Standort Bochum ist davon eine hoffentlich lösbare. Eine wichtigere ist, dass wir jetzt von jedem einzelnen Bieter in einem Vergleich sehen wollen, was ist denn eigentlich das eigene Risiko, das er übernimmt? Es kann nicht sein, dass alle Risiken vom Staat abgedeckt werden. Wir wollen motivierte Unternehmer als neue Eigentümer haben, die wissen, dass sie über viel Steuerzahlergeld entscheiden, wenn sie die Firma gut oder schlecht führen. Der beste Weg diese Motivation zu zeigen ist, dass man selbst etwas riskiert. Dass die, die Opel in Zukunft führen wollen, dabei auch über eigenes Geld entscheiden.

Vor diesem Hintergrund überzeugen alle Angebote nicht. Jetzt hat Fiat nachgebessert – führt das bei Ihnen zu einem Umdenken?

In einer Situation, in der nur noch Tage, manche sagen nur noch Stunden Zeit sind, kann kein Bieter damit rechnen, dass sich die grundsätzliche Reihenfolge mit jeder Nachbesserung oder vermeintlichen Nachbesserung ändert. Es bleibt bei den konkreten Gesprächen mit Magna. Für diese Gespräche könnte Fiat die Messlatte durch sein neues Angebot aber höher legen. Nur kann ich derzeit keine substantielle Veränderung bei Fiat erkennen. Möglicherweise ist es nur eine geringfügige Verringerung des Bedarfs öffentlicher Unterstützung, der aber immer noch wesentlich höher läge als bei den beiden anderen Angeboten. Zudem macht Fiat diese Verringerung von der verbindlichen Integration des Südamerikageschäfts von General Motors abhängig. Das sehe ich problematisch, angesichts des zeitlichen Entscheidungsdrucks.

Aber hätte nicht Fiat viele Vorzüge? Versteht was von der Massenproduktion von Autos, nicht nur Teilen, hat gezeigt, wie man einen existenzbedrohten Betrieb aus der Krise führt…

Es gibt ja niemanden, der sagt, es liegen sinnlose Angebote vor. Trotzdem müssen wir Prioritäten setzen. Es gibt keine due-diligence für Fiat. Wer weiß denn heute, was Fiat wert ist? Das Grundproblem des Fiat-Angebots ist aber ein anderes, nämlich die weitgehende Zerstörung der Bindungen zwischen Wissen und Kapazität zwischen General Motors und der europäischen Opel-Gruppe. Diese Schwierigkeit sowohl für die amerikanische aber auch für unsere Seite bleibt bestehen.

Blicken wir auf Ihren Hoffnungsträger Magna. Ist es politisch vermittelbar, den deutschen Steuerzahler letztlich für eine russische Bank, die Sberbank, bürgen zu lassen?

Wenn die russische Bank Kapital in das Unternehmen steckt, dann kann sie das natürlich tun. Wir bürgen ja für nichts anderes als Kapital, das dem Unternehmen zur Verfügung gestellt wird – und das kommt aus der ganzen Welt. Deutschen Banken werden es zur Zeit nicht zur Verfügung stellen und, man muss es so hart sagen, auch nicht zur Verfügung stellen können.

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