Im Osten wird schlechter bezahlt
Hoppe begrüßt Tarifeinigung bei Ärzten

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, hat die Tarifeinigung für die Mediziner an Universitäts-Kliniken begrüßt. Nach drei Monaten steht nun der längste Ärztestreik Deutschlands vor seinem Ende. Kritik wird aber jetzt schon laut.

HB BERLIN. Der dreimonatige Streik der Gewerkschaft Marburger Bund habe sich gelohnt, weil ein arztspezifischer Tarifvertrag erreicht worden sei, sagte Hoppe am Samstag dem Deutschlandradio Kultur. Damit sei Neuland betreten worden. Zugleich bedauerte Hoppe, dass es nicht gelungen sei, die ostdeutschen Arztgehälter an das West-Niveau anzugleichen. Das zu erreichen, sei in den Verhandlungen nicht möglich gewesen.

Gestern hatten sich der Marburger Bund und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) in Berlin nach wochenlangem Arbeitskampf auf einen Tarifvertrag geeinigt. Nach Arztgruppen gestaffelt sieht er durchschnittliche Gehaltssteigerungen um etwa 16 bis 17 Prozent, für einige Oberärzte sogar um mehr als 20 Prozent vor. Von der Ursprungsforderung von 30 Prozent für alle Ärzte war der Marburger Bund während der Verhandlungen abgewichen. Die Wochenarbeitszeit soll 42 Stunden betragen. Landespolitiker begrüßten den Abschluss. Der MB kündigte eine Streikpause an bis zum Ergebnis einer Ärzte- Urabstimmung. Deren Ergebnis werde übernächste Woche erwartet.

Der erste eigene Tarifvertrag der Länder mit den Ärzten sieht im Westen ein Gehalt von 3600 Euro im ersten und 3800 im zweiten Jahr vor, im Osten 3200 und 3400 Euro. Bereitschaftsdienste an Feiertagen werden um 25 Prozent besser bezahlt. Dazu kommen drei bezahlte Fortbildungstage im Jahr. Der Abschluss soll vom 1. Juli an gelten.

„Wir schreiben hier heute Tarifgeschichte, weil damit erstmals der Marburger Bund als eigenständiger Tarifpartner der Länder anerkannt ist“, sagte der MB-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery nach den etwa fünfstündigen Verhandlungen in Berlin. „Wir haben aber auch zwei schwere Kröten schlucken müssen.“ Bei jungen Ärzten und Medizinern im Osten fallen die Gehaltssteigerungen geringer aus als gefordert.

Der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), sagte: „Wir freuen uns, dass der Marburger Bund heute unser Angebot angenommen hat.“ Abgelehnt hatte Möllring die vom MB geforderten weiteren Verhandlungen vor allem über 100 Euro mehr Gehalt für junge Ärzte.

Die ausgehandelten Gehälter entsprechen einem Angebot der Länder vom 11. Mai, das die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi übernommen hatte. Die Einigung hätte bereits früher kommen können, sagte Möllring. Der MB hatte eine Übernahme des Verdi-Abschlusses abgelehnt. Montgomery betonte: „Wir haben eine ganze Reihe von Dingen erreicht.“ Die Ärzte würden deutlich besser bezahlt, bisher massenhaft kostenlos geleistete Mehrarbeit werde endlich vergütet.

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