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Antje Tillmann: Kämpferin gegen den Schuldenberg

In der Union trägt sie das Etikett "Mrs. Schuldenbremse": Die Haushaltsexpertin sitzt für die CDU im Bundestag. Gegner attestieren ihr eine hartnäckige, aber pragmatische Verhandlungsführung. Von Steuersenkungsversprechen hält Tillmann wenig.

Als Antje Tillmann 2002 in den Bundestag einzog, hatten die erfahrenen Platzhirsche der Unionsfraktion für sie den üblichen Platz für Neulinge vorgesehen: auf der Hinterbank. Aber immerhin schaffte sie es in den wichtigen Haushaltsausschuss. "Als 2003 jemand für die Arbeit der ersten Föderalismuskommission gesucht wurde, habe ich die Hand gehoben", erinnert sich die heute 44-jährige CDU-Abgeordnete beim Frühstück Berliner im Café Einstein. "Die alten Hasen dachten, da wird eh nichts draus", erzählt sie, und die dunklen Augen blitzen leicht spöttisch hinter den Brillengläsern. Wider Erwarten wurden im zweiten Anlauf, in der Großen Koalition, schließlich doch die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern wenigstens etwas entflochten. Und als es 2007 darum ging, mit einer zweiten Föderalismuskommission ein Mittel gegen die ausufernden Schulden zu finden, kam in der Fraktion niemand mehr an ihr vorbei.

1986 war die Rheinländerin als Finanzbeamtin ins Berufsleben gestartet. 1991 wechselte sie nach Brandenburg und 1993 ins Thüringer Finanzministerium, bevor sie sich zur Steuerberaterin fortbildete. Im Wahlkreis Erfurt-Weimar heißt ihr SPD-Konkurrent heute Carsten Schneider - auch er Haushaltsexperte.

Hartnäckig, aber pragmatisch vertrete sie die Unionsfraktion in den Verhandlungen, sagen die Leute von der SPD. In der Union trägt sie das Etikett "Mrs. Schuldenbremse" mit Stolz. Auch wenn am Donnerstag die Länder wohl nicht mitziehen werden: "Den Einstieg schaffen wir für den Bund auf jeden Fall", sagt sie. "Ich setze darauf, dass viele Länder sich dem nach und nach anschließen werden."

Dranbleiben will sie am Thema auch nach der Bundestagswahl: "Ich will alles tun, dass es wirklich klappt mit dem Schuldenabbau." Von Steuersenkungsversprechen hält sie deshalb gar nichts. "Ich weiß nicht, warum wir die bessere Absetzbarkeit von Krankenkassenbeiträgen ab 2010 nicht offensiver verkaufen", meint sie. "Es werden so doch genau die Mittelschichten entlastet, die wir erreichen wollen."

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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