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Asmussen: Staatsdiener in den Fängen der Politik

Die Oppostition hat sich auf den beamteten Staatssekretär von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück eingeschossen: Asmussen könne durch seine Beziehung zu Henriette Peucker, der Leiterin der Berliner Repräsentanz der Deutschen Börse, seine Rolle als Aufseher des deutschen Finanzmarkts nur beschränkt ausfüllen. Steinbrück steht zu seinem Staatssekretär.

Wenn Enthüllungsgeschichten das Licht der Welt erblicken, ist Vorsicht geboten. Wie im Fall Jörg Asmussen, 42. In einem Magazinbericht wird dem beamteten Staatssekretär von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vorgeworfen, er könne seine Rolle als Aufseher des deutschen Finanzmarktes nur beschränkt nachkommen. Als zentraler Beleg wird Asmussens Ehe zu Henriette Peucker, der Leiterin der Berliner Repräsentanz der Deutschen Börse, genannt. Das aber ist falsch. Asmussen und Peucker leben seit Jahren ohne Trauschein zusammen.

Dass Asmussen als politischer Beamter so ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt ist, hat in Wahrheit wenig mit seinen privaten Lebensverhältnissen zu tun. Durch einen Schnelldurchlauf vom Referenten zum Staatssekretär ist der studierte Volkswirt zum wichtigsten Ratgeber der Regierung in der Finanzmarktkrise geworden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verlässt sich ebenso auf Asmussens Expertise wie Finanzminister Steinbrück - auch dieser parteiübergreifende Respekt hat bei vielen Politikern kritische Reflexe ausgelöst.

Nicht wenige Kritiker, vornehmlich aus der Opposition, haben Asmussen vor allem seit der Fast-Pleite der Düsseldorfer IKB Mittelstandsbank gedanklich zum Abschuss freigegeben. Asmussen, der den Bund im Aufsichtsrat der Bank vertrat, hätte von den riskanten Finanzmanövern des IKB-Vorstands etwas mitbekommen müssen, lautet der Vorwurf, der bisher nicht bestätigt werden konnte. Nun werfen ihm einige Parlamentarier im Untersuchungsausschuss zur Hypo Real Estate (HRE) vor, er habe kritische Berichte zur Bank nicht rechtzeitig an die Spitzes des Ministeriums weitergeleitet. Asmussen selbst sagt, er sei zu der Zeit im Kurzurlaub gewesen.

Finanzminister Steinbrück steht trotz der Kritik unverändert zu seinem Staatssekretär - und lässt die Anschuldigungen dementieren. Demnach seien die Leitung des Ministeriums wie die betreffenden Fachreferaten "frühzeitig" von Asmussens Beziehung informiert worden. Vorgänge, die die Deutsche Börse betreffen, erledigen der zuständige Abteilungsleiter und der Minister. Das Finanzministerium sei also trotz Asmussens Privatleben "uneingeschränkt handlungsfähig". Zudem seien bisher durch diese Arbeitsaufteilung "keine Fehler" aufgetreten, die man beanstanden könnte. Die neuerlichen Anschuldigungen verbucht das Ministerium deshalb in der Abteilung "politische Attacke".

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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