Im Profil: Bodo Ramelow
Bodo Ramelow: Der linke Sprinter aus Erfurt

Im Schlussspurt zur Landtagswahl braust Bodo Ramelow dieser Tage im roten Opel durch Thüringen. Opel produziert in Eisenach, und die Linkspartei und sein Spitzenkandidat wollen Solidarität zeigen. Das sollen die fast zwei Million Wahlberechtigten ruhig sehen. Wie der intelligente Stratege als erster Linker in die Staatskanzlei einziehen will.

HB. Ramelow kämpft gegen Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) – und gegen dessen zweiten Herausforderer, Christoph Matschie (SPD).

Der 53-jährige Ramelow hat die Chance, als erster Linker eine Staatskanzlei zu beziehen – zumindest rechnerisch, denn seine Linkspartei liegt in den Umfragen deutlich vor den Sozialdemokraten, gemeinsam mit den Grünen als Drittem im Bunde würde es für eine Koalition reichen. Jedoch: SPD wie Grüne wollen zwar mit ihm koalieren, aber keinen von der Linkspartei zum Ministerpräsidenten wählen.

Ramelow reizen solche Situationen. Er gehört zu den intelligenten Strategen der Linken. Die Fusion von WASG und PDS organisierte er und auch den letzten Bundestagswahlkampf. Jetzt kommen die Menschen auf die Marktplätze, wenn er spricht und seine Ideen von einem modernen Thüringen vorträgt. Sozialismus hat da keinen Platz.

Ramelow stammt aus Hessen und wurde deshalb von der Jungen Union im Wahlkampf als Westimport verspottet. Er klagte, bekam Recht und schimpft jetzt genüsslich über die Panne des Gegners, die er als „Alltagsrassismus“ bezeichnet.

Immerhin lebt der gelernte Kaufmann seit 1990 in Thüringen. Damals kam er als Einheitshelfer für die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, wurde Landesvorsitzender und trat 1999 der PDS bei, mit der er in den Landtag einzog. Bald schon galt er als profiliertester Linker und zugleich als pragmatischer Marktwirtschaftler.

Nicht nur das unterscheidet ihn von vielen in der Linkspartei: Er engagierte sich auch für die Stasiopfer und verurteilte die Mauerschüsse. Auch gilt er als einer der besten Rednern: Banker bezeichnet er als „Abzocker in Nadelstreifen“, und der SPD rät er, sich von ihrem Kandidaten Matschie nach der Wahl zu trennen. „Wir sind der Koch, die SPD ist der Kellner“, sagt er selbstbewusst.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent
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