Im Profil
Der Grünen-Schreck von der Saar

Hubert Ulrich führt die Grünen im Saarland. Als Mitglied des Wirtschaftsausschusses im Bundestag machte er einst mit pragmatischer Politik auf sich aufmerksam. Doch die klaren Worte, die er auf der Bundesebene wählte, meidet er derzeit. Ein Porträt.
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Als Hans Eichel 2002 die Gewinne aus Aktiengeschäften besteuern wollte, meldete sich der Grüne Hubert Ulrich zu Wort. „Verheerend für den Markt“, seien die Pläne, sagte er als Mitglied des Wirtschaftsausschusses. Zwei Jahre später forderte er als finanzpolitischer Sprecher mehr Transparenz bei Rating-Agenturen. Im Rückblick auf die Finanzkrise eine weise Forderung.

Wenige Monate danach zog Ulrich nach seinem Intermezzo in Berlin zum zweiten Mal nach 1994 als Fraktionschef in den saarländischen Landtag ein. 15 Jahre führt der Realo – mit kurzer Unterbrechung – die Landespartei. Am Sonntag nun könnte ihm sogar der Griff nach der Macht gelingen.

Doch die klaren Worte, die er einst auf der Bundesebene wählte, meidet er derzeit. Dabei hat es der 51-Jährige in der Hand: Schaffen die Grünen den Sprung in den Landtag, dann entscheidet der unangefochtene Ulrich im Namen der Partei, mit wem er über Koalitionen verhandelt – und wer der nächste Ministerpräsident sein wird. Bleibt es Peter Müller (CDU) oder wird es Heiko Maas (SPD)?

Der gelernte Werkzeugmacher (bei Ford in Saarlouis) und studierte Wirtschaftsingenieur (in Saarbrücken) scheint sich darüber nicht zu freuen. Als säße er zwischen den Stühlen, wirbt er zwar für ein Bündnis mit SPD und FDP, doch dazu wird es wohl nicht reichen. Anstatt aber eine klare Alternative zu bieten, reichen seine öffentlichen Gedankenspiele von Rot-Rot-Grün bis zu Jamaika – ein Angebot für Fundis, eins für die Realos.

Die Linkspartei wolle den Bergbau verlängern, kritisiert er. Und überhaupt sei das Personal wenig verlässlich. Union und FDP dagegen müssten die Studiengebühren wieder abschaffen und die Gymnasien reformieren. „Am Ende werden wir mit denen koalieren, mit denen wir mehr grüne Inhalte umsetzen können“, sagt Ulrich.

Seine Botschaft an die Wähler ist im ersten Moment ermutigend. Am Ende aber lässt Ulrich sie im Ungewissen, wer nach der Wahl den Ministerpräsidenten stellt, wenn sie den Grünen ihr Kreuz geben. Flüchten sie auf die sichere Seite und wählen eine der großen Parteien, dann verpassen die Grünen nach 5,6 Prozent im Jahr 2004 dieses Mal womöglich den Sprung in den Landtag. Und dann? Ulrich ist der Schreck eines jeden taktischen Wählers.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Das war Wahlbetrug in vollendeter Form! Glaubwürdigkeit und Wählerwillen wurde für Machtgelüste geopfert! im bundestagswahlkampf in ganz Deutschland noch plakatiert "Schwarz-Gelb nein danke!". Die Rechnung wird es Spätestens bei den nächsten Wählen geben. Meine Stimme "Nein Danke"

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