Im Profil: Dilma Roussef
Brasilien: Nach Schönheits-OP ins Präsidentenamt?

Die Tage des Politstars Luiz Inácio Lula da Silva sind gezählt. Zwar erfreut sich der brasilianische Präsident großer Beliebtheit, doch nach zwei Amtsperioden kann er 2010 nicht wiedergewählt werden. Für Lula steht sein Nachfolger bereits fest: Es ist Dilma Roussef, Leiterin des Präsidialamtes und Schlüsselfigur in Lulas Kabinett.

Beim G20-Gipfel in London, beim Weltwirtschaftsforum in Rio de Janeiro und jetzt in Trinidad beim Amerikagipfel: Immer wieder zieht der Brasilianer Luiz Inácio Lula da Silva die Aufmerksamkeit auf sich. „This is my man“, sagte US-Präsident Barack Obama, „der beliebteste Politiker der Welt.“ Doch trotz Lulas Prestige auf internationaler Bühne – seine Tage als Politstar sind gezählt. Nach zwei Amtsperioden kann er 2010 nicht wiedergewählt werden. Seit Monaten schon spekuliert Brasilien deshalb über mögliche Nachfolger. Für Lula steht der längst fest: Es ist Dilma Roussef, Leiterin des Präsidialamts und Schlüsselfigur in Lulas Kabinett der zweiten Amtsperiode. Lula will seine hohe Popularität nutzen, um die 61-Jährige zu seiner Erbverwalterin zu machen.

Dennoch wird ihre Wahl nicht leicht werden – daran ändert auch die Schönheits-OP wenig, die sie jünger machen sollte. Ihr größtes Manko: Sie hat sich noch keiner Wahl gestellt. Das merkt man, wenn sie in diesen Tagen auf Geheiß von Lula medienwirksam Straßen, Staudämme und Raffinerien eröffnet. Dann langweilt sie die Zuhörer mit Zahlenreihen. Denn das ist ihr Metier: Sie hat als Staatssekretärin und Ministerin vor allem für Bergbau und Energie gearbeitet. Sie gilt als kompetent, technisch versiert und durchsetzungsfähig. Ihr Spitzname: „Traktor“. Ministerkollegen fürchten sie: Die Präsidialamtsleiterin führt ihre 33 fast durchgehend männlichen Kollegen gern vor wie Schulbuben, wenn die es wagen zu widersprechen. Auf ihren Stil angesprochen, reagiert sie ironisch: „Ich böse, harte Frau – umgeben von sanften Männern....“

Ihre politische Laufbahn begann sie im Untergrund für eine linke Splitterorganisation. Einen legendären Ruf als furchtlose Guerillera bekam Dilma 1969 durch eine tollkühne Aktion: Sie drang in das Haus der Geliebten des damaligen Gouverneurs von São Paulo ein und stahl den Safe mit 2,5 Mio. Dollar. Den Coup musste sie teuer bezahlen: Sie wurde geschnappt und 22 Tage gefoltert. Dann saß sie drei Jahre in Haft. Und die Vergangenheit holt sie regelmäßig ein. Etwa im Senat. Dort hat Dilma öfters mit Senator Romeu Tuma zu tun: Er war in der Diktatur Chef der Repressionsbehörde Dops, der obersten Guerilla-Jägerin der Militärs.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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