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Eine echter Patriot: Opel-Treuhand-Chef Irwin

Angela Merkel schätzt Frederick Irwin als unabhängigen und klugen Menschen. Einer, der sich nicht so leicht verbiegen lässt. Aus diesem Grund hat die Kanzlerin den Amerikaner zum Chef der Opel-Treuhand gemacht, der 65 Prozent der Adam Opel GmbH gehört. Irwins Aufgabe: die Mitglieder des Gremiums für einen gemeinsamen Käufer von Opel gewinnen.

In dem Gremium, dem Irwin vorsteht, sitzen zwei Vertreter der Opel-Mutter General Motors und jeweils ein Vertreter von Bund und Länder. Doch statt einen Kompromiss zwischen den amerikanischen und deutschen Interessen auszuloten, fällt der langjährige Präsident der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer der Kanzlerin in den Rücken. Die deutsche Politik habe sich viel zu früh auf einen Investor festgelegt, sagt Irwin im "Tagesspiegel"-Interview und klagt darüber, dass die Telefonate deutscher Politiker mit ihren US-Amtskollegen "wenig hilfreich" seien. Die amerikanische Regierung habe "sehr deutlich gemacht", dass sie sich nicht einmische. Die deutschen Bemühungen liefen also ins Leere.

Fred Irwin spricht aus, was viele Beteiligte in dem Verhandlungspoker um Opel seit einigen Wochen denken: Die Amerikaner, weder in der Washingtoner Regierungszentrale noch in der GM-Zentrale in Detroit, lassen sich nicht gerne unter Druck setzen. Im Kanzleramt müssen die Äußerungen des Treuhand-Chefs dennoch wie ein mittelschwerer Vertrauensbruch wirken. Irwin macht keinen Hehl daraus, dass er im Grunde seines Herzens Amerikaner ist. Daran können auch die mehr als 30 Jahre nichts ändern, die der 67jährige Irwin mittlerweile in Deutschland lebt.

Eine Präferenz für einen der beiden Opel-Investoren, das kanadisch-russische Konsortium Magna/Sberbank oder den Finanzinvestor RHJ International, hat Irwin bisher nicht erkennen lassen. Formal hat seine Meinung in der Treuhand bisher auch kein Gewicht. Erst nach Ablauf einer sechsmonatigen Sperrfrist, die Ende November endet, darf Irwin über den künftigen Eigentümer von Opel mitbestimmen. Bis dahin können sich die Vertreter von Bund und Länder sowie General Motors blockieren. Damals hatte man gedacht, schnell eine einvernehmliche Lösung für Opel zu finden und Irwin als neutralen Moderator an die Spitze der Treuhand gesetzt. Doch je länger der Opel-Poker dauert, desto wichtiger wird Irwins Meinung.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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