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Fachmann für die Kunst der Addition

Er gilt als sorgsam wägender und zielorientierter Entscheider: Holger Schwannecke wird Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Ein ehrwürdiges Amt – denn in Deutschland ist kein Sektor so stark vernetzt wie das Handwerk.

Mit 500 000 Euro Umsatz bewegt sich ein durchschnittlicher Handwerksbetrieb eigentlich fernab jeder politisch relevanten Dimension. Das deutsche Handwerk ist trotzdem eine Macht, die Kunst liegt in der Addition: Wo sich 960 000 solcher Betriebe verbünden, können sie sogar Weltkonzerne in den Schatten stellen. 4,8 Millionen Beschäftigte, eine halbe Billion Euro Umsatz – das übertrifft selbst US-Giganten wie Exxon und Wal-Mart.

Holger Schwannecke, 1961 in Helmstedt geboren, wird künftig oberster Manager dieses Konglomerats. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat ihn nun offiziell zum Nachfolger des altershalber ausscheidenden Generalsekretärs Hanns-Eberhard Schleyer gewählt. Und tatsächlich ist ein Vergleich mit Konzernchefs gar nicht so abseitig.

Kein Sektor ist ähnlich stark mit Verbandsstrukturen vernetzt und auf straffe Interessenvertretung ausgerichtet wie das Handwerk. Für Industriefirmen gibt es Branchenverbände, daneben Arbeitgeberverbände und außerdem die Industrie- und Handelskammern. Im Handwerk ist all das unter einem Dach vereint. Der ZDH-Generalsekretär ist damit für seinen Bereich quasi Hauptgeschäftsführer von BDA, BDI und DIHK in Personalunion.

Zwar soll die Amtsübergabe erst Ende 2009 sein. Markant ist die Personalie Schwannecke aber schon deshalb, weil Wechsel in der Position so selten sind: Schleyer, Jahrgang 1944, hat sie seit 20 Jahren inne; sein Vorgänger kam 1971 ins Amt. Eine Überraschung war die Wahl des „Neuen“ dennoch nicht: Schwannecke, zuvor lange Zeit Leiter der Rechtsabteilung, ist seit fünf Jahren Geschäftsführer und Chef der ZDH-Sparte Unternehmensverband. So war er für die künftige Aufgabe prädestiniert – zumal man ihn intern als sorgsam wägenden und doch zielorientierten Entscheider schätzt. Von weniger Kontinuität ist sein Sportinteresse geprägt: Da bangt er mit Mönchengladbach gerade wieder um den Klassenerhalt.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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