Im Profil: Gerald Hörster
Eifriger Wächter der Eisenbahn

Bisher machte Gerald Hörster, seit Januar Chef des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), einen unauffälligen Job, doch das hat sich nun schlagartig geändert: Nach Bekanntwerden von schlampigen Sicherheitsprüfungen beorderte Hörster die gesamte Berliner S-Bahn-Flotte in die Werkstatt. Bald könnte Hörster sogar europaweit bekannt werden.

HB. Bislang ist er in der Öffentlichkeit so unbekannt, dass es in deutschen Bildarchiven nicht einmal ein Foto von ihm gibt. Die Rede ist von Gerald Hörster, seit Januar Chef des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA). Auch das EBA, 1994 nach der Privatisierung der Bundesbahn gegründet, machte bislang kaum Schlagzeilen. Eher unauffällig überwacht sie im Auftrag des Verkehrsministers die Sicherheit des Schienennetzes – mit Ausnahme der Regionalbahnen.

Das hat sich seit vier Wochen grundlegend geändert. So lange schon versinkt die deutsche Hauptstadt im S-Bahn-Chaos. Schuld ist Hörster. Denn seit er erfuhr, dass die Bahn-Tochter Berliner S-Bahn bei den Sicherheitsprüfungen nicht nur tüchtig geschlampt, sondern der EBA auch Sicherheitsmängel an den Rädern verschwiegen hatte, läuft die bislang eher als verschlafen kritisierte Behörde zur Hochform auf: Fast die ganze Berliner S-Bahn–Flotte muss zur Prüfung in die Werkstatt. Als Folge ruht der Berliner S-Bahnverkehr voraussichtlich bis Dezember zu weiten Teilen.

Bald könnte Hörster auch europaweit bekannt werden. Denn seit dem Wochenende droht das EBA, aufgeschreckt durch einen schweren Unfall in Italien, auch mit einer flächendeckenden Prüfung aller Güterwaggons. Da eine solche Überprüfung des europaweit laufenden Güterverkehrs nur sinnvoll umgesetzt werden kann, wenn alle EU-Staaten mitmachen, soll nun Ende des Monats eine europäische Sicherheitskonferenz über ein koordiniertes Vorgehen beraten.

Hörster, der zur Zeit in Urlaub ist, dürfte danach erst Recht alle Hände voll zu tun haben. Dabei könnte ihm helfen, dass er ein alter Eisenbahner ist. 1986 wechselte er von dort ins Verkehrsministerium: Hauptzuständigkeit auch hier die Eisenbahn. Hörster kennt sich also aus. Dass der Satz „Neue Besen kehren gut“ auch auf ihn zutrifft, muss er nun wohl nicht mehr beweisen. Es scheint so als hätte er seine Behörde gerade rechtzeitig aus dem Dornröschenschlaf vergangener Jahre geweckt.

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