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Gerd Billen: Fallstudien in Mutters Laden

Er gehört zu den Urgesteinen des Verbraucherschutzes: Gerd Billen, Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, nutzt die schwierigen Zeiten, um Druck auf die Politik zu machen. Er weiß um die Gunst der Stunde.

Für Verbraucherschützer waren die Zeiten selten so gut wie in der Finanzmarktkrise. Banken haben die Altersvorsorge ihrer Anleger verzockt - Kaupthing und Lehman lassen grüßen. Jeder Politiker kennt Fälle aus Gesprächen mit Wählern.

Gerd Billen weiß um die Gunst der Stunde. Anfang der Woche hat der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband seine Forderungen an die Parteien zur Bundestagswahl aufgestellt: Einen Rat der Verbraucherweisen und eine Kommission unabhängiger Wächter, die den Finanz-, den Energie-, den Telekom - und den Gesundheitsmarkt beobachten, verlangt der 55-Jährige. Union und SPD prüfen bereits, wie sie seine Beratungsstellen finanziell und personell in die Lage versetzen, diese Aufgabe zu übernehmen.

Billen gehört zu den Urgesteinen des Verbraucherschutzes. Vor einem Vierteljahrhundert schon kämpfte der gelernte Ernährungs- und Sozialwissenschaftler gegen die etablierten Verbraucherschützer. Die priesen die billigsten Produkte am Markt, während Billen Qualität statt niedriger Preise einforderte. Er gründete die Verbraucherinitiative.

Billen selbst sagt, bei ihm gebe es eine "genetische Prägung": Seine Mutter betrieb in der Eifel einen Kolonialwarenladen. Dort half er mit und verfolgte mit Interesse, wann die Kunden zu einem Produkt griffen und wann nicht.

2005 ging Billen zur Otto Group. Dort achtete er darauf, dass Lieferanten etwa T-Shirts nicht von Kinderhand herstellen ließen, und kümmerte sich um Umweltaspekte des Wirtschaftens. Er hätte dort weiter viel Geld verdienen können, verzichtete aber, als nach nur zwei Jahren die Verbraucherzentralen nach ihm riefen. Die damit verbundene Öffentlichkeit und der enge Kontakt zur Politik hätten ihn gereizt, sagt er.

Folgerichtig präsentierte gestern eine Politikerin, Verbraucherministerin Ilse Aigner, der Öffentlichkeit Billens neues Buch. Darin setzt der Autor auf den mündigen, informierten Bürger - sagt aber auch, dass es irrationale Verhaltensweisen der Verbraucher gibt. Da müsse der Staat schützend eingreifen. Aigner soll das Buch mit Interesse im Urlaub gelesen haben.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent
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