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Herbert Reul, Gegenspieler der Grünen

Er befürwortet die Atomenergie und er bezeichnet sich selber offen als „industriefreundlich“. In der europäischen Volksvertretung hat sich Herbert Reul damit nicht nur Freunde gemacht. Nun muss der CDU-Politiker als Vorsitzender des Industrieausschusses im Europaparlament vor allem Kompromisse aushandeln.

HB. „Für die Grünen bin ich der Böse“, bemerkt der CDU-Europaabgeordnete ironisch und lächelt. Das Provozieren und Polarisieren macht ihm offenbar Spaß, doch damit ist es nun vorbei. Als Vorsitzender des Industrieausschusses im Europaparlament muss Reul möglichst neutral bleiben und Kompromisse schmieden.

Nächste Woche geht es los: Das Parlament startet in die neue fünfjährige Legislaturperiode. Im Industrieausschuss stehen die europäische Gasversorgung und die Energieeffizienz von Gebäuden auf der Tagesordnung.

Dann wird Reul auch seinen wichtigsten Gegenspieler wiedersehen: Den luxemburgischen Abgeordneten Claude Turmes von den Grünen. Er wirft dem Rheinländer Reul vor, dass der sich seine politischen Positionen aus den Zentralen der deutschen Energiekonzerne diktieren lasse. Darüber ärgert sich Reul dann doch ein bisschen: „Ich bin doch kein Mann von RWE“, verteidigt er sich empört. Wer die Interessen der Industrie in die politische Waagschale werfe, sei deshalb noch lange kein Unternehmenslobbyist.

Demnächst wird Reul noch einen Sparringspartner bekommen: Der deutsche SPD-Parlamentarier Jo Leinen leitet den Umweltausschuss im Europaparlament. An die bevorstehende EU-Gesetzgebung zum Klimaschutz dürfte der frühere saarländische Umweltminister anders herangehen als Reul. Der hält es für „gefährlich, nur Klimapolitik zu betreiben“. Genauso wichtig für die EU seien günstige Energiepreise und eine sichere Energieversorgung.

Zu hohe Energiekosten, so Reuls Befürchtung, würden den Industriestandort Europa zum Verlierer machen im globalen Wettbewerb mit dramatischen Folgen für den Arbeitsmarkt. Reul: „Ich habe drei Töchter und bin schon daran interessiert, dass die später auch noch einen Job finden.“

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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