Im Profil
Jens Seipenbusch: Polit-Pirat nimmt Fahrt auf

Aus dem Stand hat die Piratenpartei bei der Bundestagswahl zwei Prozent der Stimmen gewonnen. Der Parteivorsitzende Jens Seipenbusch ist seit der Gründung vor drei Jahren mit an Bord. Nun will der 41-jährige Physiker die Grundlagen schaffen, um beim nächsten Mal die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden.

In 21 Tagen auf einer Elf-Meter-Yacht den Atlantik überqueren. Das klingt aufregend. Viel aufregender scheint es allerdings, mit einer vor drei Jahren gegründeten Partei bei der Bundestagswahl zwei Prozent der Stimmen zu gewinnen.

Als Parteivorsitzender der Piratenpartei hat Jens Seipenbusch beides erlebt. Der 41-jährige Diplom-physiker aus Münster ist seit der Gründung mit an Bord. Nur einen Tag nach der Wahl nimmt der Kapitän der Piratenpartei schon Kurs auf die parteipolitische Zukunft. "Der Wahlkampf für die nächste Bundestagswahl hat noch lange nicht begonnen. Aber wir müssen jetzt die Grundlagen schaffen, um in den nächsten vier Jahren richtig Fahrt aufnehmen zu können", sagt Seipenbusch. 2013 will er die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.

Dass es dieses Mal nicht geklappt hat, hätte laut Seipenbusch manche Kollegen enttäuscht. Die Fünf-Prozent-Hürde zu nehmen, sei aber nicht wirklich realistisch gewesen. Nach der ganzen Euphorie der vergangenen Monate hätten es sich manche insgeheim aber gewünscht. Trotzdem ist der Erfolg des Polit-Neulings beachtlich. "Wir haben unser Ziel in diesem Sinne erreicht, dass wir uns jetzt deutlich von den anderen kleinen Parteien abheben", sagt der Vorsitzende.

Die Piratenpartei ist die siebtstärkste Partei im politischen Spektrum. In großen Städten wie Berlin oder Tübingen erreichte sie 3,5 Prozent. Unter den männlichen Erstwählern gaben 13 Prozent ihre Stimme den Piraten.

Mit dem Wahlsieg von CDU und FDP könnte das politische Ziel der jungen Partei allerdings außer Sichtweite geraten. Die Piraten hatten sich in der Vergangenheit vor allem gegen die Durchsetzung der von Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen initiierten Sperrgesetze fürs Internet aufgelehnt. Mit der starken FDP könnte die Abschaffung der Gesetze Realität werden. "Die CDU hat auch verloren. Jetzt müssen wir abwarten, ob es die FDP schaffen wird, die extremen Auswüchse von Schäuble und von der Leyen einzudämmen", sagt Seipenbusch.

Der Parteivorsitzende will sich in den kommenden Monaten verstärkt um die inhaltliche Schärfe der Partei kümmern. Man müsse sich nach außen besser positionieren. Ob er nach seiner einjährigen Amtszeit weiter auf der Steuerungsbrücke des Parteibootes stehen möchte, weiß er noch nicht. "Es ist in Ordnung", sagt Seipenbusch, "wenn auch mal jemand anderes das Pferd zieht".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%