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Jo Leinen: Kämpfer mit Sinn für Kompromisse

Jo Leinen ist neuer Chef des Umweltausschusses im europäischen Parlament. Er versteht sich als Lobbyist für erneuerbare Energien. Das dürfte Ärger mit dem Industrieauschuss geben. Kein Problem, findet der SPD-Politiker. Ein Porträt.

Er hat die Ärmel hochgekrempelt und strahlt über das ganze Gesicht. "Ich kann es noch gar nicht fassen, das ist genau mein Thema", freut sich der frisch gebackene Chef des Umweltausschusses im Europaparlament. Jo Leinen heißt er, Ältere kennen ihn noch als kämpferischen Umweltminister im Saarland. Das war in den 80er-Jahren. Danach war es still geworden um den jovialen SPD-Politiker - nach dem Wechsel ins Europaparlament machte Leinen, der Jurist, nur noch gelegentlich mit Kommentaren zum EU-Recht von sich reden.

Doch nun ist er wieder da, mittendrin in der Schlacht um Klimaschutz, grüne Jobs und nachhaltiges Wachstum. Als Vorsitzender des Umweltausschusses hat er bei allen einschlägigen EU-Gesetzen ein Wörtchen mitzureden. Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen will er ebenso Akzente setzen wie bei den Konjunkturprogrammen in der EU, die zu Energiespar- und Umweltprogrammen umdefiniert werden könnten. Geld sei jedenfalls genug da, freut sich Leinen - und verweist auf die Wüstenstrom-Initiative deutscher Energiekonzerne, für die mehrere hundert Milliarden investiert werden sollen.

Überhaupt, die Konzerne. Obwohl Leinen eher dem linken SPD-Flügel zugerechnet wird, hat er keine Probleme mit der Wirtschaft. Schließlich habe doch längst ein Umdenken begonnen: "Umweltschutz wird nicht mehr nur als Kosten-, sondern auch als Nutzenfaktor begriffen." Probleme hat er vielmehr mit der Kohle- und Atomlobby, schließlich ging er schon in den 70er-Jahren gegen Kernkraft auf die Barrikaden. "Ich verstehe mich als Lobbyist für die Erneuerbaren ", stellt er klar.

Das dürfte Ärger mit dem Industrieausschuss des Europaparlaments geben, der von dem CDU-Politiker Herbert Reul geleitet wird. Leinen scheint das aber nicht zu schrecken. Schließlich seien gemeinsame Ausschusssitzungen geplant, sogar gemeinsame Abstimmungen soll es geben. Das zwingt zum Kompromiss - sichert Leinen aber auch Einfluss bei wichtigen Industriethemen.

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