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Krista Sager: Kämpferin ums zweite Direktmandat

Wenn im Herbst der neue Bundestag gewählt wird, rangeln Sozialdemokraten und Grüne um die große Gruppe der rot-grünen Wechselwähler. Weil das so ist, rechnet sich die Grüne Krista Sager aus Hamburg gute Chancen aus, dort das zweite Direktmandat in der Geschichte der Partei zu erobern. Dies ist bisher nur einem Urgestein der Grünen geglückt.

HB. Das Kunststück ist nur Christian Ströbele im Berliner Wahlbezirk Friedrichshain-Kreuzberg gelungen.

In der Partei steht die 55-jährige am anderen Ende des grünen Spektrums: In Hamburg hat die Super-Reala vor einem Jahr maßgeblich dazu beigetragen, das Pionierprojekt Schwarz-Grün anzuschieben - erstmals in einem Bundesland. Schwarz-Grün hatte Sager - ein Zögling Joschka Fischers - schon Mitte der 90er-Jahre in die Debatte geworfen, gemeinsam mit Christian Wulff. Raus aus der "babylonischen Gefangenschaft im rot-grünen Lager", forderte die damalige Parteichefin.

In der Folge gründete die norddeutsch-kühle, analytisch begabte und durchsetzungsstarke Tochter eines selbstständigen Malermeisters zunächst die erste rot-grüne Regierung der Hansestadt unter SPD-Bürgermeister Ortwin Runde und übernahm den Wissenschaftssenat. 2005 kam sie in den Bundestag und wurde Fraktionschefin.

Nun will Sager den Wahlkreis Eimsbüttel erobern - ein gutbürgerlicher Bezirk, der die Universität beherbergt und zudem ein bedeutender Standort der Medien- und Werbewirtschaft ist. Die Chancen der heutigen Vizefraktionschefin der Grünen im Bundestag stehen nicht schlecht, denn just dieser Wahlkreis ist aktuell der wunde Punkt der ohnehin gebeutelten Hansestadt-SPD. Nachdem der linke SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen dort vom umtriebigen örtlichen Juso-Chef Danial Ilkhanipour gestürzt wurde, der wiederum vom SPD-Vorzeigerechten Johannes Kahrs unterstützt wird, kämpfen in Eimsbüttel - einst sicherer SPD-Bezirk - Sozialdemokraten gegeneinander.

Bei der letzten Bundestagswahl haben die meisten Eimsbütteler Grün-Wähler mit der Erststimme Annen gewählt. Jetzt hofft Krista Sager angesichts einer zerstrittenen SPD auf Erststimmen sozialdemokratischer Wähler.

So oder so ist Sager die Wiederkehr in den Bundestag sicher. Denn im Gegensatz zu Ströbele ist sie über die Landesliste abgesichert - auf Platz eins.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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