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Martina Köppen: Zwischen allen Stühlen

Martina Köppen leitet die vor zweieinhalb Jahren eingerichtete Antidiskriminierungsstelle. SPD und Grüne halten sie für eine glatte Fehlbesetzung, Köppen ist ihnen offenbar zu wirtschaftsnah. Doch auch aus der Wirtschaft hagelt es Kritik an Köppen, die es niemanden Recht machen kann.

Die Frau sitzt zwischen allen Stühlen. Martina Köppen, Leiterin der vor zweieinhalb Jahren eingerichteten Antidiskriminierungsstelle, kann es kaum jemand Recht machen. In der SPD heißt es, die Frau sei "eine glatte Fehlbesetzung". Die Grünen halten die Antidiskriminierungsstelle gar für "einen Fall für den Bundesrechnungshof".

SPD und Grüne vermissen von der 51-Jährigen vor allem klare Worte, wenn es um Diskriminierung geht. Die beim Familienministerium angesiedelte Stelle soll Hilfe leisten, wenn es Schwierigkeiten mit dem auch von der Wirtschaft so hart kritisierten Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz von 2006 geht. Dem Gesetz nach zählt zu ihren Hauptaufgaben, Menschen zu unterstützen "bei der Durchsetzung ihrer Rechte zum Schutz vor Benachteiligungen".

SPD und Grünen ist Köppen offenbar zu wirtschaftsnah, holzt nicht genügend, wenn es um Diskriminierung in den Unternehmen geht. Wer jetzt jedoch annimmt, die Wirtschaftsvertreter würden jubeln, täuscht sich. Grundsätzlich ist man natürlich froh, Frau Köppen als Ansprechpartnerin zu haben. Sie habe ein offenes Ohr nicht nur für die von Diskriminierung Betroffenen, sondern auch für die Wirtschaft, heißt es. Doch dann hagelt es auch hier Kritik: Der von ihr "angekündigte Pakt mit der Wirtschaft" ist missverständlich, da es einen solchen nie gegeben hat. Es gibt keinerlei gegenseitige Vereinbarungen zwischen der Antidiskriminierungsstelle und den Spitzenverbänden der Wirtschaft. Von einen regelmäßigen Austausch mit der Wirtschaft kann ohnehin keine Rede sein. An den von ihr organisierten Konferenzen wird die Wirtschaft im Vorfeld nicht beteiligt. Die Liste der Kritikpunkte ist damit noch nicht zu Ende.

Den Kritikern kommt eine Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion gelegen. Die Abgeordnete Marina Schuster wollte wissen, wie Frau Köppen ihr Gesamtbudget von knapp drei Mill. Euro ausgibt: Dabei stellte sich heraus, dass allein Beraterverträge mehrere hunderttausend Euro jedes Jahr verschlingen. "Hier fehlt die Konzentration auf die Kernaufgabe", sagt Schuster. Frau Köppen sitzt wirklich zwischen allen Stühlen. Nicht die schlechteste Voraussetzung für den Job.

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