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Merkels Mann für Umweltschutz

Beobachter grübeln, warum Merkel ausgerechnet jetzt den Umweltschützer Jochen Flasbarth zum neuen Präsidenten des Umweltbundesamtes machte. Mitten im Wahlkampf. Die Antwort ist einfach: Sie schätzt seine Kompetenz. Über das vertraute Verhältnis der konservativen Kanzlerin zum Öko-Lobbyisten.

Er ist zwar ein anerkannter Naturschützer, aber dennoch gilt Jochen Flasbarths Berufung zum neuen Präsidenten des Umweltbundesamtes als Überraschung. Der aus Gesundheitsgründen kürzlich ausgeschiedene Vorgänger Andreas Troge war CDU-Mitglied und so mancher in der Union fragt sich nun, warum Angela Merkel die Neubesetzung des Chefpostens in Dessau nicht einfach bis nach der Wahl verschoben hat, anstatt gestern noch schnell einen Mann zum obersten Umweltschützer zu bestellen, der eher dem rot-grünen Lager zugerechnet wird.

Die Erklärung ist einfach. Die Kanzlerin kennt und schätzt den 47-jährigen Volkswirt Flasbarth schon seit der Zeit, als sie noch Umweltministerin im Kabinett Helmut Kohls war und Flasbarth den Naturschutzbund Deutschland - kurz Nabu - führte. Unter seiner Präsidentschaft von 1992 bis 2003 entwickelte sich die älteste deutsche Umweltorganisation vom verschlafenen und etwas schrulligen Verein zur schlagkräftigen, politisch einflussreichen Öko-Lobby mit rund 450 000 Mitgliedern. Der Naturschutz als altruistische Massenbewegung ehrenamtlich Engagierter ist eng mit dem Namen Flasbarth verbunden.

Der Mann mit dem ergrauten Vollbart ist ein Kind des Ruhrgebiets. Das merkt man an der Sprachfärbung, aber auch an seiner offenen und direkten Art des Umgangs. Nach dem Studium begann Flasbarth als Lektor in einem Fachverlag, doch der Umweltschutz zog den zwischen Schornsteinen und Hochöfen aufgewachsenen Hobby-Wanderer und Waldliebhaber früh in seinen Bann. Ob Gewässerschutz, Flächenversiegelung, Luftverschmutzung oder Abfallwirtschaft - Flasbarth stritt hart für seine grünen Themen, ohne sich dabei parteipolitisch vereinnahmen zu lassen. Merkel berief den unbequemen Mahner früh in das Nationale Komitee für Nachhaltige Entwicklung; für sie zählte seine Durchsetzungskraft und sein Fachwissen.

Auch der spätere Umweltminister Jürgen Trittin schätzte Flasbarth, obwohl er mit dem damaligen Nabu-Präsidenten manchen Streit ausfocht. 2003 holte Trittin Flasbarth als Abteilungsleiter Naturschutz in das Umweltministerium. Dort und auf internationaler Bühne findet er bis heute viel Anerkennung für seinen Kampf um den Erhalt der biologischen Vielfalt.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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