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Im Profil: Michael Sommer: Im Dienste der sozialen Wärme

Der Deutsche Gewerkschaftsbund feiert seinen 60. Geburtstag und Michael Sommer rückt ins politische Rampenlicht: Im Angesicht der Krise trifft die Politprominenz auf einen selbstbewussten und ambitionierten Gewerkschaftschef. Auf dem nächsten DGB-Bundeskongress will Sommer für eine dritte Amtszeit kandidieren.

Die Forderung nach einer strengen Finanzmarktregulierung hat er bereits vor der Wirtschaftskrise vertreten: DGB-Chef Michael Sommer. Quelle: Reuters
Die Forderung nach einer strengen Finanzmarktregulierung hat er bereits vor der Wirtschaftskrise vertreten: DGB-Chef Michael Sommer. Quelle: Reuters

HB. Eigentlich wollen sich Kanzlerin Angela Merkel und FDP-Chef Guido Westerwelle heute der Regierungsbildung zuwenden. Erst einmal aber rückt ein ganz anderer ins politische Rampenlicht: DGB-Chef Michael Sommer. Denn der Deutsche Gewerkschaftsbund feiert 60. Geburtstag, und das nicht nur einfach so. Ausgerechnet in Zeiten einer neuen schwarz-gelben Mehrheit darf die Gewerkschaftsbewegung ihr Jubiläum in einer Form begehen, die fast einem Staatsakt gleicht – mindestens so sehr wie vor Jahr und Tag die Jubelfeiern zum 60. der Sozialen Marktwirtschaft.

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Bundespräsident Horst Köhler wird heute auf Sommers Einladung hin im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt die Festrede halten. Und selbst die heute beginnenden Koalitionsverhandlungen von Union und FDP müssen kurz zurückstehen. Am Vormittag wollen sich Merkel und – jawohl – sogar Westerwelle erst einmal beim DGB als Gratulanten die Ehre geben.

Gastgeber Sommer, mit 57 knapp drei Jahre jünger als sein Verband, wird es mit Genugtuung registrieren. Nach seinem Amtsantritt als DGB-Chef im Jahr 2002 war das Klima schließlich noch ganz anders: „Basta“- Kanzler Gerhard Schröder (SPD) paukte die Agenda 2010 durch. CDU-Chefin Merkel hatte den Flächentarifvertrag im Visier. Und der FDP galten Gewerkschaften glatt als „Plage“. Nun aber trifft die Politprominenz im Angesicht der Krise auf einen an Selbstbewusstsein deutlich erstarkten DGB-Chef. Wenn er etwa daran erinnert, dass die Gewerkschaften schon eine strenge Finanzmarktregulierung gefordert hätten, „als keiner etwas davon hören wollte“ – dann fällt selbst Liberalen der Widerspruch nicht mehr so leicht wie ehedem.

Der 60. Geburtstag gibt aber auch Anlass, weiter zurückzublicken. Etwa auf Zeiten, als Gewerkschafter noch für die 45-Stunden-Woche kämpften oder für die Fünf-Tage-Woche („Samstags gehört Vati mir“). Sommer indes hat in der aktuellen Krise die Finanzmärkte zu seinem großen Thema gemacht; zum Beispiel berief er rasch einen internationalen Kapitalismuskongress ein. Im Kampf für Mindestlöhne wird er darüber freilich nicht nachlassen.

Ob die heutige Feier eine neue Harmonie zwischen DGB und Schwarz-Gelb begründen kann, bleibt offen. In jedem Fall wird es die Regierung Merkel/Westerwelle wohl noch eine ganze Weile mit Sommer zu tun haben – er will auf dem nächsten DGB-Bundeskongress für eine dritte Amtszeit bis 2014 kandidieren.

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