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Oberster Kanzler-Ratgeber: Henning Kagermann

Zum entspannen löst der Physiker mathematische Formeln. Nun wird der scheidende SAP-Chef und Professor der theoretischen Physik neuer Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften - und berät Angela Merkel in Technologiefragen. Er soll dafür sorgen, dass Deutschland technologisch stärker aus der Krise kommt.

Er ist Physiker. Wie die Kanzlerin. Nun wird Henning Kagermann auch ihr oberster Technologieberater. Der scheidende SAP-Chef und Professor der theoretischen Physik ist neuer Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Acatech - Academia und Technik - wurde zwar erst 2007 nationale Akademie. Den Sprung auf den Ehrenplatz am Ohr der Kanzlerin verdankt er Heinrich von Pierer: Als der im Siemens-Schmiergeldskandal versumpfte, war er auch als Chef von Angela Merkels "Innovationsrat" untragbar. Sie löste den ganzen Rat kurzerhand auf und erkor Acatech-Präsident Joachim Milberg zum obersten Ratgeber. Diesem folgt nun Henning Kagermann.

Das Metier kennt er bestens: er saß selbst im Innovationsrat und war Acatech-Vizepräsident. Als omnipräsenter Hans-Dampf-aller-Technologiedebatten wie von Pierer ist der bescheiden agierende Kagermann jedoch kaum vorstellbar.

Nun soll er dafür sorgen, dass Deutschland technologisch stärker aus der Krise kommt, als es hineingeraten ist. Bisher wünschte sich Kagermann den Staat vor allem als intelligenten Rahmensetzer - für Innovationen sei die Wirtschaft zuständig. Vor den IT-Gipfeln der Kanzlerin setzte er sich massiv für eine einheitlichere IT-Struktur des Staates und einen zentralen "Chief Information Officer" ein. Den CIO gibt es heute, der teure IT-Wirrwarr ist geblieben.

Eine Verlagerung zentraler Teile der SAP-Entwicklung ins Ausland hat Kagermann, der dort 27 Jahre tätig war, stets als undenkbar abgelehnt - stets jedoch für einen stärkeren Zuzug ausländischer Experten plädiert.

Man darf daher gespannt sein, ob er sich etwa für eine weitere Senkung der Einkommensgrenzen für ausländische Hochqualifizierte engagiert, und wie er sich bei der viel diskutierten steuerlichen Forschungsförderung positioniert. Verraten hat er bereits, dass auch er sich mehr Technik schon im Kindergarten wünscht.

Privat stammt Kagermann aus einfachen Verhältnissen, als Jugendlicher jobte er jahrelang im Straßenbau, wo er sich anfangs "blutige Hände" holte. Zur Entspannen löst er gern mal mathematische Formeln. Ob die Kanzlerin das Hobby teilt, ist unbekannt.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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