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Oskar Lafontaine: Ein Fuchs, der Rot-Rot im Weg steht

Oskar Lafontaine räumt den Fraktionsvorsitz und gönnt sich eine Art politische Altersteilzeit. Mit seinem Manöver hat er das zarte rot-rot-grüne Pflänzchen im Saarland zertrampelt. Mancher mutmaßt nun, es sei ihm gar nicht um Rot-Rot-Grün gegangen. Er habe nur der SPD wieder mal eins auswischen wollen.
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Der Herrscher der Linken leitet den Rückzug ein. Oskar Lafontaine wird 2013 nicht mehr Spitzenkandidat sein - also räumt er schon mal den Fraktionsvorsitz und konzentriert sich auf die Parteiführung. Der 66-Jährige gönnt sich eine Art politische Altersteilzeit. Auf dem Weg dahin zertrampelt er ein zartes Pflänzchen: Im Saarland ist Rot-Rot-Grün vor allem an ihm gescheitert. Sicher, Grünen-Chef Hubert Ulrich brannte ohnehin darauf, Jamaika auszuprobieren - Lafontaine hat ihm den Anlass und das Argument geliefert, dunkelroten Genossen seien nicht vertrauenswürdig.

Bis zuletzt hatte der Saarländer verschwiegen, dass er in Saarbrücken als Fraktionschef mitmischen will. Das löste bei Grünen - wie wohl auch bei der Landes-SPD - Entsetzen aus. Der Fuchs Lafontaine, der sich so gern schlauer gibt als andere, hat das nicht vorhergesehen oder gar einkalkuliert. Mancher mutmaßt nun, es sei ihm gar nicht um Rot-Rot-Grün gegangen. Er habe nur der SPD wieder mal eins auswischen wollen.

Die Psyche des Polit-Schwergewichts, des Attentatopfers, des Flüchtlings vor der Verantwortung und dem Streit mit Gerhard Schröder an der SPD-Spitze, der Heilsfigur der Linken ist schwer zu durchschauen. Doch niedere Motive trauen ihm viele zu. Das Verhältnis der SPD zur Linken gilt als neurotisch. Das gilt auch umgekehrt: Lafontaines frühere Partei verkörpert für ihn das eigene Scheitern. Das schmerzt.

Seit er die Linkspartei zur bundesweiten Kraft machte, tönt der gelernte Physiker, er wolle die SPD zwingen, wieder sozialdemokratisch, wieder links zu werden - und erst dann kooperieren. Existierende Bündnisse wie in Berlin hat er bekämpft. Sie passten nicht in sein Konzept, das seiner früheren politischen Familie eine Läuterung abverlangt. Einer echten Annäherung von Linkspartei und SPD wird Lafontaine bis zum endgültigen Abschied im Wege stehen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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