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Promi-Alarm bei Schröders Geburtstagsparty

Heute wird Gerhard Schröder 65, und wenn er am Samstag nach Ostern "nur ein paar gute, alte Freude" einlädt, um seinen Geburtstag nachzufeiern, dann ist das schlicht untertrieben. Bei der "sehr privaten" Party in der Nähe von Hannover werden sich gleich reihenweise internationale Polit-Größen die Klinke in die Hand geben.

BERLIN. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan ist ebenso eingeladen wie Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac oder Top-Manager wie etwa RWE-Chef Jürgen Großmann. Sogar Wladimir Putin, so die Gerüchteküche, könnte als Überraschungsgast auftauchen.

Dreieinhalb Jahre nach seinem Abschied von der Macht ist Schröder ruhiger, aber nicht ruhig geworden. Im Ausland genießt er immer noch einen sehr guten Ruf. Dem Altkanzler öffnen sich bei seinen zahlreichen Reisen nach wie vor alle Türen, vor allem in Russland, in Asien und im arabischen Raum.

Aber auch zur deutschen Wirtschaft pflegt Schröder einige enge Drähte. Ganz offiziell gratulierten ihm per ganzseitiger Anzeige im SPD-Parteiorgan "Vorwärts" jetzt Porsche und RWE. Auch für Continental ist Schröder noch wichtig; als gelernter und jetzt wieder aktiver Rechtsanwalt überwacht der Ex-Kanzler die Einhaltung der Zusagen beim Schaeffler-Deal.

Sein bekanntester Job in der Wirtschaft ist zugleich der umstrittenste. Über die Schmähung als "Gazprom-Gerhard" hat er sich geärgert, weiß sie inzwischen aber als Diffamierung aus der Ecke alter politischer Gegner einzuordnen: "Wenn ich für ein amerikanisches Großunternehmen tätig wäre, würden mir Lorbeerkränze geflochten." In den Augen des früheren Kanzler ist die Gazprom-Tochter Northstream in erster Linie ein europäisches Joint Venture mit niederländischer, deutscher und russischer Beteiligung, das "die Energiesicherheit ganz Europas verbessern wird". Wer dennoch glaubt, ihn dafür kritisieren zu müssen, "der kann mich mal", meint Schröder heute ganz im Stil des alten "Basta"-Kanzlers.

Dass ein "political animal" wie er ruhig im Pensionärs-Gehege verweilt, mochte Schröders Zögling und Weggefährte Frank-Walter Steinmeier nie glauben. Gestern nun verkündete der Vizekanzler erfreut, dass der alte Chef im Wahlkampf wieder mitmischen werde.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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