Im Profil: Stephan Hilsberg
Prinzipien statt Parteikarriere

Stephan Hilsberg, sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter aus Ostdeutschland, ist ein Mann von Prinzipien. Und weil die Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan die DDR nicht als „Unrechtsstaat“ bezeichnen möchte, überlegt der 53-Jährige Bürgerrechtler öffentlich, Schwan seine Stimme zu verweigern.

dhs HB. In der Politik ist es nicht selbstverständlich, prinzipientreu zu bleiben – vor allem dann, wenn das den Verlust von Macht bedeutet. Stephan Hilsberg, sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter aus Ostdeutschland, gehört zu dieser Spezies. Er überlegt öffentlich, am kommenden Samstag bei der Bundespräsidentenwahl der sozialdemokratischen Kandidatin Gesine Schwan seine Stimme zu verweigern.

Denn Schwan will die DDR nicht als „Unrechtsstaat“ bezeichnen, der Bürgerrechtler Hilsberg dagegen findet keinen anderen Begriff für die Mauer, die Toten, die Zwangskollektivierung und die Enteignungen. Im Gegenteil: Er lehnt Verniedlichungen ab und fühlt sich an die „Diktion der PDS“ erinnert.

Der 53-Jährige wuchs als Kind eines Pastors in Ostberlin auf. 1988 schloss er sich der Friedensbewegung an und gehörte im Frühjahr 1989 zu den Kontrollgruppen der Kommunalwahl. Er war einer der ersten, der Anzeige wegen Wahlbetrugs stellte. Hilsberg gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der sozialdemokratischen Partei der DDR, zog als brandenburgischer Kandidat in die Volkskammer ein und 1990 für die SPD in den Bundestag.

Dort engagierte er sich für die Aufarbeitung des DDR-Unrechts. 1992 forderte er Manfred Stolpe, damals Ministerpräsident in Brandenburg, auf, sein Amt so lange ruhen zu lassen, bis die Stasi-Vorwürfe gegen ihn geklärt seien. Stolpe blieb, doch zehn Jahre später kam es wieder zur Konfrontation der beiden – diesmal mit Folgen. Hilsberg, der seit 2000 parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium war, sollte unter dem neuen Minister Stolpe arbeiten. Damals wie heute im Fall Schwan stand für ihn fest, dass es so nicht geht – er legte sein Amt als Staatssekretär nieder.

Bis heute ist Hilsberg gegen Koalitionen mit der Linken. Am Wochenende kann Schwan aber nur mit deren Stimmen Bundespräsidentin werden. Ohne Hilsbergs Stimme sinkt ihre Chance auf den Sieg. „Entschieden ist es noch nicht“, sagt er: „Aber Bauchschmerzen und Bedenken habe ich.“ Er will sich nicht vorstellen, dass eine Bundespräsidentin die DDR begrifflich verniedlicht. „Wer Diktaturen verharmlost, der bereitet der nächsten den Boden.“

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