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Ulrich van Essen: Der Mann für die Prognose

Drei Dinge braucht ein guter Steuerschätzer, sagt Ulrich van Essen: Erfahrung, Erfahrung und Erfahrung. Der 51-Jährige ist Deutschlands oberster Steuerschätzer, der gebürtige Dortmunder leitet den unabhängigen Arbeitskreis seit 2003. Van Essens Chef Peer Steinbrück macht sich für die nächste Prognose auf einges gefasst.

Wenn Ulrich van Essen eines nicht leiden kann, dann ist es Medienrummel - um ihn und vor allem um seinen Arbeitskreis. Der 51jährige Leiter des Referats "Steuerschätzungen, Entwicklung der Steuereinnahmen; Projektionen zur Tragfähigkeit der Staatsfinanzen" im Bundesfinanzministerium ist Vorsitzender einer deutschen Besonderheit: dem unabhängigen Arbeitskreis Steuerschätzung. Während in den meisten anderen Staaten der Finanzminister - und damit die Politik - die Einnahmen selbst freihändig schätzt, ist es in Deutschland ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Steuerschätzung unfrisiert in die Etatplanungen übernommen wird.

Während der heute beginnenden dreitägigen 134. Sitzung des Arbeitskreises diskutieren die drei Dutzend Experten acht Schätzvorschläge, die dann im Laufe der Beratungen einvernehmlich verschmolzen werden. "Das Ergebnis liegt im Vergleich mit den Einzelvorschlägen nicht immer ganz vorne, aber fast immer in der Spitzengruppe", sagt van Essen, der genau über die Treffgenauigkeit Buch führt.

Drei Dinge braucht ein guter Steuerschätzer, sagt der gebürtige Dortmunder: Erfahrung, Erfahrung und Erfahrung. Schließlich gibt es weder ein Studienfach, noch ein Lehrbuch zum Thema. Das meiste haben sich die Experten daher selbst beigebracht. Nützlich seien gesamtwirtschaftlicher Sachverstand, Steuerrechtskenntnisse und Spaß an empirischer Forschungsarbeit - und Verschwiegenheit, hätte der promovierte Volkswirt wohl noch gern ergänzt.

Van Essen leitet das Gremium seit dem Krisenjahr 2003. Damals, als die deutsche Wirtschaftsleistung zum letzten Mal auf Jahressicht sank, kassierte der Staat 442 Mrd. Euro - nur fünf Jahr später waren es 120 Mrd. Euro mehr. Brummt die Wirtschaft, jubelt der Finanzminister!

Und 2009? Im Jahr des tiefsten Wirtschaftseinbruchs der Nachkriegsgeschichte droht ein gaaaanz tieeeeefes Steuerloch - so groß, wie es noch kein Finanzminister verkraften musste. Van Essens oberster Chef, Peer Steinbrück, hatte kürzlich bekannt, am Tag der Steuerschätzung wolle er "am liebsten im Bett bleiben".

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