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Walter Otremba: Glos’ Mann für alle Fälle

Walter Otremba vertritt seit knapp zweieinhalb Jahren effizient und unauffällig die Interessen des Wirtschaftsministeriums innerhalb der Bundesregierung. Er hat dabei die Diskretion zum Geschäftsprinzip erhoben.

Wer auf einen Rückruf von Walther Otremba angewiesen ist, braucht Geduld. Die Stunden gehen ins Land, aber gegen Ende des Tages meldet sich Otremba mit Sicherheit. Hinter ihm liegen dann Krisen- und Gremiensitzungen aller Art. Der beamtete Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium erklärt die Entwicklungen rund um die Finanz- und Wirtschaftskrise: Was will die Bundesregierung tun? Was will sein Haus auf jeden Fall verhindern?

Otremba vertritt seit knapp zweieinhalb Jahren effizient und unauffällig die Interessen seines Ressorts innerhalb der Bundesregierung. Er hat dabei die Diskretion zum Geschäftsprinzip erhoben. Nur selten lässt er sich von einer Zeitung zitieren. Kaum vorstellbar, dass er sich mit einer steilen These in den Vordergrund drängen würde. Das widerspräche seinem Naturell - und der promovierte Volkswirt weiß sehr wohl, dass sein Chef, Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), forsches Auftreten seiner Leute im Extremfall mit dem Rauswurf ahndet.

Glos hat Otremba geholt, um dem Ministerium eine klare ordnungspolitische Orientierung zu geben. Der Minister selbst hatte zuvor dazu beigetragen, dass der Kurs des Hauses - vorsichtig ausgedrückt - als unstet empfunden wurde. Das ist vorüber. Glos verlässt sich fast blind auf den Staatssekretär, der ihm von seinem Parteifreund Theo Waigel empfohlen wurde. Otremba ist ein Kind des Finanzressorts: Von 1983 bis 2002 arbeitete er dort.

Der 57-jährige Vater von vier Kindern verfolgt beharrlich seinen Kurs. Seine Hartnäckigkeit wurde zuletzt bei der Diskussion über die Konjunkturpakete deutlich. Nachdrücklich verstärkte er die Forderung seines Chefs, der Steuersenkungen zur Bedingung machte. Kaum ein Tag verging, an dem Otremba nicht Papiere streute, die die positiven Effekte von Steuerentlastungen hervorhoben. Am Ende reichte es zwar nicht für einen Durchbruch; immerhin konnte sein Haus aber Teilerfolge verbuchen.

Jetzt muss Otremba die nächsten Herausforderungen meistern. Er sitzt für das Wirtschaftsministerium im Lenkungssausschuss des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin), kümmert sich um den Fall Schaeffler/Continental. Die Krisensitzungen werden so schnell nicht abreißen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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