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Wiesehügel: Umbauer mit klaren Erwartungen

Klaus Wiesehügel ist ein gewerkschaftliches Urgestein. Nach vierzehn Jahren an der Spitze der IG Bau bewirbt sich der SPD-Politiker um eine weitere Amtszeit. Warum sich der Verfechter kerniger Aussagen um seinen Wahlerfolg wenig Sorgen machen muss.

HB. Klaus Wiesehügel ist ein Mann klarer Worte – erst recht, wenn es um die Rente mit 67 geht. Da mag die SPD noch so intensiv an Brücken für „flexible Übergänge“ bauen. Da mögen andere SPD-Mitglieder unter den Gewerkschaftschefs wenigstens mit Blick auf den Wahlkampf milder formulieren. Der Chef der Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG Bau) kennt da keine Kompromisse: „Die Rente mit 67 muss weg.“

Die Delegierten auf dem heute beginnenden Gewerkschaftstag in Berlin werden ihm dafür ungeteilten Zuspruch schenken. Auch um seinen Wahlerfolg wird Wiesehügel, der sich nach 14 Dienstjahren um eine weitere Amtszeit bewirbt, kaum bangen müssen – obwohl es zuletzt harte organisatorische Umbauten in der mit 336 000 Mitgliedern viertgrößten DGB-Gewerkschaft gab. Da wird es ein anderer Kongressredner schwerer haben: Im Gegensatz zur Kanzlerin hat SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier die Einladung natürlich angenommen. Doch mit höflicher Nachsicht für die Rentenpolitik wird man es ihm sicher nicht danken.

Wiesehügel selbst, obwohl mit 56 noch ein Stück vom Rentenalter weg, ist längst eine Art gewerkschaftliches Urgestein. Als er 1995 Vorsitzender wurde, zählte er zu einer jungen Garde neben Leuten wie Hubertus Schmoldt (IG BCE) und Herbert Mai (ÖTV). Alle drei starteten nach den wohligen Jahren der Wiedervereinigung in eine Zeit, in der Gewerkschaften hierzulande erstmals eisiger Wind entgegenblies.

Schmoldt betrieb tarifpolitische Innovation, Mai führte die ÖTV in die Fusion zur Großgewerkschaft Verdi. Und Wiesehügel setzte die Initialzündung für den Ausbau branchenbezogener Mindestlöhne, zunächst für die besonders gebeutelte Baubranche. Als Rot-Grün 1999 das zugehörige Entsendegesetz entscheidend verschärfte, saß er selber im Bundestag. Wenn Schmoldt im Oktober sein Amt abgibt, wird Wiesehügel der letzte Vertreter dieses ungleichen Trios sein.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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