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Wolfgang Ischinger: Deutscher Meister im Netzwerken

Wolfgang Ischinger organisiert die Münchner Sicherheitskonferenz. Der Berufsdiplomat ist innenpolitisch über fast alle Parteigrenzen hinweg geschätzt. Auf der anderen Seite ist Ischinger international vernetzt wie kein zweiter deutscher Diplomat.

Einen großzügigen Arbeitgeber wie die Allianz weiß Wolfgang Ischinger zu schätzen. Denn statt der Belange des Versicherers gehen dem dortigen "Generalbevollmächtigten für Regierungsbeziehungen" derzeit andere Dinge durch den Kopf. Am Freitag beginnt die Münchner Sicherheitskonferenz; der Berufsdiplomat Ischinger hatte deren Organisation im vergangenen Jahr übernommen.

Spätestens seit der vergangenen Woche weiß Ischinger, dass sein Einstand bereits vor dem Konferenzstart gelungen ist: Die Obama-Administration schickt den US- Vizepräsidenten Joe Biden - den ranghöchsten US-Politiker seit Gründung der Konferenz im Jahr 1962. "Irgendwann muss sich meine fünfjährige Zeit als Botschafter in Washington auszahlen", kokettiert Ischinger in diesen Tagen gern.

Mittlerweile hat der gebürtige Nürtinger eine so hochrangige Teilnehmerliste mit Präsidenten, Regierungschefs, Außen- und Verteidigungsministern, aber auch Wirtschaftsvertretern zusammenstellen können, dass einige bereits von einem "Mini-Davos" sprechen.

Zwei Fähigkeiten haben Ischinger dabei geholfen. Zum einen hat er das Kunststück fertig gebracht, innenpolitisch über fast alle Parteigrenzen hinweg geschätzt zu werden. Zum anderen ist Ischinger international vernetzt wie kein zweiter deutscher Diplomat: Er hat am Dayton-Abkommen für Bosnien mitgearbeitet und hat die deutsche Position zum Irakkrieg als Botschafter in Washington vertreten. 2007 war er EU-Vertreter bei den Troika-Verhandlungen über die Zukunft des Kosovo. Erst für den Job bei der Allianz - und die Tagung - war der 62-Jährige aus dem Außenministerium ausgeschieden.

Dass diese Woche nicht nur der Präsident des Kosovo, sondern auch der serbische Außenminister anreisen, zeigt die besondere Fähigkeit Ischingers: Mit seiner verbindlichen Art hinterlässt er als Vermittlungsprofi keine verbrannte Erde, dafür aber überall neue Kontakte. Vielleicht hat Ischinger auch deshalb mehr erreicht als für Diplomaten üblich: Anfang Dezember bekam er in New York die Leo-Baeck-Medaille überreicht, die höchste Auszeichnung der liberalen, noch deutsch-orientierten jüdischen Community an der US-Ostküste.

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