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Wolfgang Kubicki: FDP-Wahlkämpfer im Motorboot

Oppositionspolitiker Wolfgang Kubicki ist in Schleswig-Holstein beliebter als der CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und SPD-Herausforderer Ralf Stegner. Dabei führt der Liberale wieder einmal einen streckenweise bizarr anmutenden Wahlkampf und irritiert die FDP-Parteispitze.

Wolfgang Kubicki führt in Schleswig-Holstein für die Liberalen wieder einmal einen streckenweise bizarr anmutenden Wahlkampf. Sein Bundesvorsitzender Guido Westerwelle dimmt derzeit alles, was nach sozialer Kälte klingen könnte, fast zur Dunkelheit herunter. Kubicki saust dagegen vor den Linsen der Fotografen hinter dem Steuer seines Turbo-Motorboots Liberty auf der Ostsee herum. Den Journalisten serviert er dabei edlen Wein in silbernen Bechern. Seine Erkenntnis nach der letzten verlorenen Landtagswahl – „Ich habe die Ausstrahlung eines Kühlschranks“ – ist wie weggeblasen. Westerwelle schwört Stein und Bein, nach der Wahl die Steuern senken zu wollen. Kubicki bringt dagegen zum Frust seiner Parteifreunde eine Mehrwertsteuererhöhung ins Spiel.

Geschenkt, könnte man angesichts seiner Vita über eine der wohl schillerndsten Figuren in der deutschen Politik sagen. Über sein Verhältnis zu seinem verstorbenen Freund Jürgen W. Möllemann ist wohl alles geschrieben worden. Die eigene politische Karriere des 1952 in Braunschweig geborenen Rechtsanwalts mit dem gepflegtesten Dreitagebart und dem stählernsten Blick auf einem deutschen Wahlkampfplakat ist ebenfalls ein dauerndes Auf und Ab. Als Anwalt machte er 2005 von sich Aufsehen, als er VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer verteidigte und verlor. Dass er seinen lukrativen Anwaltsjob für das im Vergleich dazu mickrige Ministergehalt aufgeben will, meinen wenige.

Wer glaubt, das alles müsste doch von den bodenständigen Schleswig-Holsteinern wenig geschätzt werden, irrt sich. Wolfgang Kubicki ist zeitweise der beliebteste Politiker in Schleswig-Holstein. Wie gesagt, als Oppositionspolitiker noch vor dem CDU-Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und seinem SPD-Herausforderer Ralf Stegner. In Umfragen liegt seine FDP stets über 14 Prozent.

Eines immerhin einte Westerwelles Bundes-FDP mit den Landesliberalen in Kiel – allerdings nur bis Montag: Sowohl in Berlin als auch an der Förde schien es bis dato äußerst knapp für eine schwarz-gelbe Regierung zu werden. Doch nach der jüngsten Umfrage verliert die CDU in Schleswig-Holstein fast zehn Prozentpunkte. Die Rettung für Kubicki könnte aber lauten: Leinen los und mit dem Motorboot nach Jamaika.

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