Im Regierungsflieger nach Brasilien
Linksfraktionsvize verteidigt WM-Reise mit Merkel

Vor vier Jahren hatte die Linke das Angebot Merkels noch ausgeschlagen. Jetzt waren sie mit an Bord im Regierungsflieger, als es zur Fußball-WM ging. Die Aufregung darüber kann Fraktionsvize Bartsch nicht verstehen.
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BerlinDer Vize-Vorsitzende Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, hat die Kritik des FDP-Präsidiumsmitglieds Volker Wissing an seiner Mitreise im Regierungs-Airbus zum Auftaktspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Brasilien scharf zurückgewiesen.

„Herr Wissing hat die schwere Niederlage der FDP offensichtlich nicht verdaut, vor allen Dingen nicht begriffen: Es ist wichtig, dass die Opposition gerade auch bei solchen Ereignissen Flagge zeigen sollte“, sagte Bartsch Handelsblatt Online. „Dabei war ich natürlich kein Feigenblatt.“

Wissing hatte es bei Handelsblatt Online als bemerkenswert bezeichnet, wie billig die linke Opposition im deutschen Bundestag zu haben sei. „Es ist peinlich und erklärungsbedürftig, wenn linke Bundestagsabgeordnete sich von der Kanzlerin zu einem Abstecher zur Fußball-WM mitnehmen lassen“, sagte der FDP-Politiker. „Das Verhalten der Linken ist Ausdruck des Versagens der Opposition im Deutschen Bundestag, die lieber mit der Kanzlerin kuschelt, statt eine glaubwürdige Alternative zur Regierungspolitik.“

Aus den Bundestagsfraktionen hatte auf Einladung des Kanzleramts jeweils ein Abgeordneter die Kanzlerin zum Portugal-Spiel begleiten können. Vor vier Jahren hatte die Linke ihre Zusage zur Begleitung der Kanzlerin zur WM nach Südafrika kurzfristig wieder zurückgezogen – auch wegen der hohen Kosten für die kurze Visite. Auch diesmal war Merkel mit einer kleinen Delegation nach Brasilen geflogen. Laut Medienberichten waren insgesamt 15 Personen in dem Airbus A340, der 142 Passagieren Platz bietet. Eine Flugstunde mit der Maschine kostet nach Angaben des Steuerzahlerbunds etwa 12.000 Euro. Hin und zurück dauert ein Flug 25 Stunden.

Auch der Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), Christian Lüth, äußerte scharfe Kritik. „Dass sich die Linke in Vertretung von Herrn Bartsch als Feigenblatt missbrauchen lässt, erstaunt nicht sonderlich, verdeutlicht es doch die Doppelmoral dieser Partei“, sagte Lüth Handelsblatt Online.

Kommentare zu " Im Regierungsflieger nach Brasilien: Linksfraktionsvize verteidigt WM-Reise mit Merkel"

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  • Eindeutig ja: die AfD.

  • Die Linken sind eben so wenig wählbar wie die anderen Blockparteien. Anstand, Sparen und Ehrlichkeit verlangt man nur von den privaten Bürgern. Es ist zum Kotzen! Muss man sich über die höchste Politikverdrossenheit noch wundern? Die Pfeifen tun alles dafür.

  • Also, obwohl ich kein Bundestagsmandat habe, schwöre ich Stein und Bein, dass ich dankend abgelehnt hätte, wenn man mir eine Reise zur Fußball-WM mit der Kanzlerinette schenken würde. Aus Imagegründen versteht sich - welcher halbwegs bei Verstande seiende Ehrenmann möchte schon mit solch kriminellen Elementen in der Öffentlichkeit gesehen werden? Dietmar, dass war nicht schlau von Dir.

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