„Im Tal der Wölfe“
Die grenzwertigen Regeln fiktiver Streifen

Der Film hat die Gemüter erregt: Heute entscheidet die Filmwirtschaft, ob nur noch Erwachsene den türkischen Kriegsfilm „Im Tal der Wölfe“ sehen dürfen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte die Absetzung des Kinostreifens gefordert.

BERLIN. Fröhlich kreist der Männertanz, während Bräutigam und Braut verliebte Blicke tauschen. Kinderlachen. Orientalische Musik. Aus dem Hintergrund nähert sich eine Einheit US-Soldaten in Tarnanzügen, schwer motorisiert und noch schwerer armiert. Es folgt eine blutspritzende Kinoszene. Erst wird ein kleiner Junge erschossen. Dann hält die Braut den sterbenden Bräutigam im Arm und sinnt auf ein Selbstmordattentat.

Über all das wird heute entschieden, denn um 14 Uhr urteilt in Wiesbaden ein Gremium der „Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“ in dritter Instanz darüber, ob der türkische Kinofilm „Im Tal der Wölfe“ in Deutschland erst ab 18 Jahren freigegeben werden soll oder nicht.

Solche Bewertungen sind im Zweifel maßgeblich für den Kassenerfolg eines Films – und so hatte eine eilig anberaumte Pressekonferenz der türkischen Produktionsfirma „Pana Film“ gestern in Berlin für die Macher wohl auch das Ziel, in Richtung FSK mit vielen netten Worten für milde Stimmung zu sorgen.

Der Film, der schon jetzt mit erstaunlich geringem Werbeaufwand an sechster Stelle in den deutschen Kinocharts rangiert, soll in Kürze in den Babelsberger Studios in Deutsch synchronisiert werden und ein noch größeres Publikum erreichen. Bisher läuft „Im Tal der Wölfe“ nur in türkischer Originalversion mit schludrig geschriebenen Untertiteln. Der Film, in Europa bereits gut vertreten, wird derzeit für eine fast weltweite Ausstrahlung vorbereitet, auch in den USA.

„Wir wollten einen Actionfilm und Anti-Kriegsfilm machen,“ beteuerte Produzent Raci Sasmaz gestern so eilfertig wie inhaltsarm im feinen Berliner „Grand Hyatt“, „einen Film über die Unantastbarkeit der Menschenrechte im Irak“.

Aufregung um das „Tal der Wölfe“ hat es seit dem Deutschland-Start Mitte Februar reichlich gegeben, gelegentlich sogar höchstamtlich. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber etwa dachte über eine Absetzung nach. In der FDP wurde über den Straftatbestand der „Volksverhetzung“ debattiert. Kurz: Der Ruf nach einem Aufführungsverbot ist laut geworden angesichts antiamerikanischer, antichristlicher und antijüdischer Sequenzen.

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