Deutschland

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Im Wahlkampfmodus: Kampfansage an das Weltbild der Unions-Christen

Philipp Rösler hat mit seiner Parteitagsrede die Seele der FDP-Basis gestreichelt. Die Delegierten danken es ihm mit stehenden Ovationen und dem Versprechen, jetzt nur noch die politische Konkurrenz zu attackieren.

Die Parteitagsdelegierten lauschen der Rede des FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler. Quelle: dpa
Die Parteitagsdelegierten lauschen der Rede des FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler. Quelle: dpa

BerlinWolfgang Kubicki hat Philipp Rösler nicht oft gelobt. Beim FDP-Parteitag aber findet der schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende außergewöhnlich wohlwollende Worte für den Auftritt seines Parteivorsitzenden. „Das war das erste Mal seit zwei Jahren, dass Philipp Rösler bei den Delegierten auch wieder Emotionen ausgelöst hat“, sagt Kubicki.

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Das Thema, bei dem die über 600 Delegierten im Berliner Hotel Estrel aufhören, in den Wahlunterlagen und Antragsschriften zu kramen, um sich zurückzulehnen und den Blick wieder auf Rösler zu richten, ist ausgerechnet das Thema, bei dem die Union in den vergangenen Wochen stark gegen die FDP gearbeitet hat: Gleichberechtigung und Toleranz.

Interview zum Download „Meine Aufgabe ist es, Tore zu machen“

Kurz vor dem Parteitag spricht der FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle über Programm der Liberalen und die Zukunft der Koalition. Seine Überzeugung: „Der Union tut unser wirtschaftspolitisches Profil doch gut.“

„Uns ist egal, mit wem sie leben wollen, wen sie lieben“, sagt Rösler. Das Thema Gleichstellung der  Homo-Ehe, es liegt der FDP schwer im Magen. Erst in dieser Woche hatte es Kanzlerin Angela Merkel bei der Präsidiumssitzung der CDU abmoderiert. Und nun versucht die FDP sich gegen den großen Koalitionspartner durchzusetzen und es wieder auf die Tagesordnung zu setzen.

Die FDP unter Parteichef Rösler

  • 12. Mai 2011

    Rösler, bisher Bundesgesundheitsminister, löst Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister ab und steigt zum Vizekanzler auf.

  • 13. Mai

    Auf dem Parteitag in Rostock wird Rösler mit 95,1 Prozent als jüngster FDP-Vorsitzender und Nachfolger von Guido Westerwelle gewählt. Rösler verspricht: „Ab heute wird die FDP liefern.“

  • 22. Mai

    Die FDP fliegt mit 2,4 Prozent in Bremen aus der Bürgerschaft.

  • 4. September

    Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kassiert die FDP mit 2,8 Prozent die nächste Niederlage.

  • 18. September

    Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin landen die Liberalen bei 1,8 Prozent.

  • 14. Dezember

    Generalsekretär Christian Lindner tritt überraschend zurück.

  • 16. Dezember

    Die Parteispitze setzt sich bei einem Mitgliederentscheid knapp mit ihrem Kurs bei der Euro-Rettung durch.

  • 25. März 2012

    Nachdem das Jamaika-Bündnis mit CDU und Grünen im Saarland geplatzt ist, stürzt die FDP bei der folgenden Landtagswahl auf 1,2 Prozent ab.

  • 6. Mai

    Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird die schwarz-gelbe Koalition abgewählt. Mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki erringen die Liberalen aber 8,2 Prozent.

  • 13. Mai

    Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewinnt Rot-Grün, mit Lindner an der Spitze kommen die Liberalen jedoch auf 8,6 Prozent. Im Bund bleiben die Umfrage in den folgenden Monaten desaströs.

  • 6. Januar 2013

    Entwicklungsminister Dirk Niebel verlangt beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart offen ein neues Führungsteam. Er fordert, den für Mai geplanten Parteitag vorzuziehen.

  • 18. Januar

    Zwei Tage vor der Niedersachsen-Wahl plädieren auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und Lindner für ein Vorziehen des Parteitages.

  • 20. Januar

    Die FDP erreicht bei der Landtagswahl in Niedersachsen sensationelle 9,9 Prozent, viele Stimmen kommen von CDU-Wählern.

  • 21. Januar

    Die FDP-Führung einigt sich darauf, dass Rösler Parteivorsitzender bleibt. Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl soll Brüderle werden. Der Parteitag wird von Mai auf März vorgezogen.

„Die Union erweckt den Eindruck, ein Problem durch Ignorieren lösen zu wollen. Das kann nicht funktionieren", erklärt FDP-Generalsekretär Patrick Döring. „Angela Merkel kann das Thema nicht für die ganze Koalition begraben“, sagt Lasse Becker, Vorsitzender der Jungen Liberalen. Er steht für den Flügel der Partei, der sich entschieden von der Union abgrenzen will. Nicht nur bei der Gleichstellung der Homo-Ehe, sondern bei der doppelten Staatsbürgerschaft, dem Betreuungsgeld, der Arbeitsmarktpolitik. Er fordert ein Zurückrudern der Parteispitze, die sich gerade erst zu Lohnuntergrenzen in bestimmten Regionen und Branchen bekannt hat.

  • 10.03.2013, 08:47 UhrThomas-Melber-Stuttgart

    Ah, "Weltbild" - wie wäre es mit "Werte" oder "Wertefundament"?

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