
BerlinWolfgang Kubicki hat Philipp Rösler nicht oft gelobt. Beim FDP-Parteitag aber findet der schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende außergewöhnlich wohlwollende Worte für den Auftritt seines Parteivorsitzenden. „Das war das erste Mal seit zwei Jahren, dass Philipp Rösler bei den Delegierten auch wieder Emotionen ausgelöst hat“, sagt Kubicki.
Das Thema, bei dem die über 600 Delegierten im Berliner Hotel Estrel aufhören, in den Wahlunterlagen und Antragsschriften zu kramen, um sich zurückzulehnen und den Blick wieder auf Rösler zu richten, ist ausgerechnet das Thema, bei dem die Union in den vergangenen Wochen stark gegen die FDP gearbeitet hat: Gleichberechtigung und Toleranz.
„Uns ist egal, mit wem sie leben wollen, wen sie lieben“, sagt Rösler. Das Thema Gleichstellung der Homo-Ehe, es liegt der FDP schwer im Magen. Erst in dieser Woche hatte es Kanzlerin Angela Merkel bei der Präsidiumssitzung der CDU abmoderiert. Und nun versucht die FDP sich gegen den großen Koalitionspartner durchzusetzen und es wieder auf die Tagesordnung zu setzen.
Rösler, bisher Bundesgesundheitsminister, löst Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister ab und steigt zum Vizekanzler auf.
Auf dem Parteitag in Rostock wird Rösler mit 95,1 Prozent als jüngster FDP-Vorsitzender und Nachfolger von Guido Westerwelle gewählt. Rösler verspricht: „Ab heute wird die FDP liefern.“
Die FDP fliegt mit 2,4 Prozent in Bremen aus der Bürgerschaft.
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kassiert die FDP mit 2,8 Prozent die nächste Niederlage.
Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin landen die Liberalen bei 1,8 Prozent.
Generalsekretär Christian Lindner tritt überraschend zurück.
Die Parteispitze setzt sich bei einem Mitgliederentscheid knapp mit ihrem Kurs bei der Euro-Rettung durch.
Nachdem das Jamaika-Bündnis mit CDU und Grünen im Saarland geplatzt ist, stürzt die FDP bei der folgenden Landtagswahl auf 1,2 Prozent ab.
Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird die schwarz-gelbe Koalition abgewählt. Mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki erringen die Liberalen aber 8,2 Prozent.
Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewinnt Rot-Grün, mit Lindner an der Spitze kommen die Liberalen jedoch auf 8,6 Prozent. Im Bund bleiben die Umfrage in den folgenden Monaten desaströs.
Entwicklungsminister Dirk Niebel verlangt beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart offen ein neues Führungsteam. Er fordert, den für Mai geplanten Parteitag vorzuziehen.
Zwei Tage vor der Niedersachsen-Wahl plädieren auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und Lindner für ein Vorziehen des Parteitages.
Die FDP erreicht bei der Landtagswahl in Niedersachsen sensationelle 9,9 Prozent, viele Stimmen kommen von CDU-Wählern.
Die FDP-Führung einigt sich darauf, dass Rösler Parteivorsitzender bleibt. Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl soll Brüderle werden. Der Parteitag wird von Mai auf März vorgezogen.
„Die Union erweckt den Eindruck, ein Problem durch Ignorieren lösen zu wollen. Das kann nicht funktionieren", erklärt FDP-Generalsekretär Patrick Döring. „Angela Merkel kann das Thema nicht für die ganze Koalition begraben“, sagt Lasse Becker, Vorsitzender der Jungen Liberalen. Er steht für den Flügel der Partei, der sich entschieden von der Union abgrenzen will. Nicht nur bei der Gleichstellung der Homo-Ehe, sondern bei der doppelten Staatsbürgerschaft, dem Betreuungsgeld, der Arbeitsmarktpolitik. Er fordert ein Zurückrudern der Parteispitze, die sich gerade erst zu Lohnuntergrenzen in bestimmten Regionen und Branchen bekannt hat.

Ah, "Weltbild" - wie wäre es mit "Werte" oder "Wertefundament"?
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