Im Wahlkampfmodus
Steinbrück legt sich nicht auf Psychiatercouch

Der Parteitag hat Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gestärkt. Auch die Gewerkschaften halten wieder zur SPD. Jetzt sucht die Partei Freiwillige, die im Wahlkampf von Tür zu Tür ziehen. Das Vorbild heißt Barack Obama.
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DüsseldorfDie SPD sucht freiwillige Helfer. Und hat dazu am Montag eine Onlineplattform gegründet. Ziel ist es, die Wahlkämpfer vor Ort zu vernetzen und sie gut vorzubereiten, bevor sie von Tür zu Tür ziehen. Denn mit der direktesten aller Ansprachen will die SPD punkten. Vier Millionen Leute sollen so erreicht werden, sagt Generalsekretärin Andrea Nahles. Und Parteichef Sigmar Gabriel ruft den Delegierten des Bundesparteitags in Augsburg zu: „Für uns ist das wichtigste technische Hilfsmittel nicht das Internet, sondern der Klingelknopf an der Haustür.“

Vorbild ist einmal mehr der US-Wahlkampf, der „die gezielte Ausbildung von Freiwilligen in praktischen Fragen der Kampagnenführung on- und offline durch verschiedene Organisationen aus dem Umfeld der demokratischen Partei“ vorsieht, wie Andreas Jungherr in seinem Blog schreibt. Matthias Micus, Politologe am Göttinger Institut für Demokratieforschung, hält die Kümmerer-Strategie der SPD mit Nähe zum Bürger grundsätzlich für sinnvoll, bezweifelt jedoch, dass über die neue Onlineplattform genügend Mitstreiter für eine solche Strategie gewonnen werden können.

„Die Registrierung als Freiwilliger stellt ein Bekenntnis dar, sie ist die – wenn auch äußerst abgeschwächte – Lightversion einer Mitgliedschaft“, sagt Micus im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Ich glaube nicht, dass sich da viele Nichtmitglieder anmelden werden.“ Es mangele der SPD vor allem an der Grundvoraussetzung massenhafter Partizipation, an begeisternden Inhalten, mit denen sich Freiwillige mobilisieren ließen.

Im Übrigen: „Die Amerikaner, die keine Parteiorganisationen europäischen Zuschnitts kennen, haben ein anderes Verständnis von bürgerschaftlichem Engagement“, sagt Micus. Ein ähnlich umfangreicher freiwilliger Einsatz von Bürgern wie bei den Wahlkämpfen von Barack Obama sei hierzulande schwer vorstellbar.

Einen Tag nach dem Bundesparteitag, auf dem die Delegierten Peer Steinbrück die Gefolgschaft versicherten, ist auch die Zuversicht des SPD-Kanzlerkandidaten wieder gestiegen. Im „Deutschlandfunk“ sagte er, die politische Auseinandersetzung werde „sich zuspitzen in einer heißen Phase des Wahlkampfs“. „Die Menschen sind ja auch noch nicht im Wahlkampfmodus.“ Die bisherigen Pannen will der SPD-Kanzlerkandidat hinter sich lassen. „Ich kann mich nicht auf die Psychiatercouch legen“, sagte er.

Unterstützung bekommen den Sozialdemokraten auch wieder von den Gewerkschaften, die sich nach den „Agenda 2010“-Reformen von der Partei abgewandt hatten. Doch das nun beschlossene Wahlprogramm überzeugt den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Die SPD sei jetzt wieder die Partei der kleinen Leute, sagte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer der „Saarbrücker Zeitung“. „Mit dieser Tonlage kann die SPD auch wieder bei ihrer Kernklientel punkten und darüber hinaus auch weit in das bürgerliche Lager hinein.“ Wenn die SPD es schaffe, ihre eigenen Anhänger zu mobilisieren, dann werde der Funke auch im Wahlkampf überspringen.

Der Parteitag hatte am Sonntag das Wahlprogramm mit dem Titel „Deutschland besser und gerechter regieren: Für ein neues soziales Gleichgewicht in unserem Land“ einstimmig verabschiedet. Es sieht einen Spitzensteuersatz von 49 Prozent, einen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde sowie eine Solidarrente von 850 Euro monatlich vor. Zudem will die SPD eine Mietenbremse und ein Milliardenprogramm für Bildung. DGB-Chef Sommer sagte, vieles von dem, was die Gewerkschaften schon seit Jahren propagierten, sei jetzt auch im SPD-Wahlprogramm enthalten. „Das ist auch unserem Wirken zu verdanken.“

Scharfe Kritik kam aus der Union. Der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach, wertete das SPD-Programm als einen „Anschlag auf Leistungsbereitschaft, Wachstum und Arbeitsplätze“. Zugleich sprach er von einer „offenen Kriegserklärung der Sozialdemokraten an die Mittelschicht“. Der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger, erklärte ebenfalls: „Die Steuerpläne der SPD für den Fall ihres Wahlsieges kommen einem Anschlag auf den deutschen Mittelstand und damit auf die wirklichen Stützen der Gesellschaft gleich.“

Steinbrück wies dagegen Vorwürfe zurück, mit den Maßnahmen aus dem Wahlprogramm seiner Partei werde die Mittelschicht belastet. „Es betrifft nicht die guten Facharbeiter, es betrifft nicht die Unternehmen, wir wollen ihre Substanz nicht besteuern“, sagte er. „Und bei den Erbschaften kann ich gar nicht erkennen, warum irgendjemand die Befürchtung haben muss, dass das Häuschen an die Kinder oder an die Enkelkinder nicht vererbt werden kann.“

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zeigte sich nach dem Parteitag ungeachtet der schlechten Umfragewerte für seine Partei und ihren Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zuversichtlich für die Bundestagswahl im September: „Wir werden es genauso machen, wie bei den letzten zwölf Landtagswahlen. Da gab es vorher auch schwierige Umfragen, und am Ende haben wir alle gewonnen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Die SPD werde auf Themen setzen. „Die SPD will den Finanzkapitalismus bändigen, dafür sorgen, dass sich Arbeit wieder für alle lohnt und sicherstellen, dass Bildung wieder für Aufstieg sorgt – und nicht Herkunft oder Beziehungen.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Im Wahlkampfmodus: Steinbrück legt sich nicht auf Psychiatercouch"

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  • Na super! Die SPD ist gegen Lobbyismus. Und wer hat das "Handelsblatt" bestochen, damit es Wahlwerbung für die SPD macht? Wenn es nicht so abartig und schade für unser Land wäre, könnte man lachen.....

  • Steinbrück braucht die Wagenburg - als notwendiges Übel. http://ow.ly/kbLKl

  • Asmussen !!!
    UND Steinbrück dient UND MUSS NUN ANDERS SPIELEN ALS er DENKT !!! Im GING ES NIE UM ZUCKER VERTEILEN SONDERN GELDMACHT ÜBERGEBEN . DAS NUN COUCH BRAUCHT , DOCH NORMALE REAKTION DER SEELE , DIE NUN MERKT , MORAL MACHT GEWISSEN UND NUN HANDELE GERADE GEGEN mein DENKEN UND NUN GEGEN GEWISSEN ODER MORAL , dass WEISS er NOCH NICHT ALS NUN BENUTZTER FÜR MACHT . . . HOFFENTLICH FINDET er EHRLICHE HILFE , die im SAGT : " NUN WIRD GESUNDER " und NICHT HILFT WIEDER NORMALER ZU WERDEN , denn DANN GILT WEITER DAS : „ Wenn du dich mit dem Teufel einlässt , verändert sich nicht der Teufel . Der Teufel verändert dich !“
    von Revolution
    und er LÄSST WEITER BENUTZEN . . .
    ACH WAS REDE ??? er HAT JA SIEL GARNICHT GEÄNDERT und WILL DOCH GARNICHT MENSCHENRECHT ALS RECHT GEBEN sondern WEITER IN MAUSEFALLE HALTEN AUFGESTUHLT , mit HILFE VON Schröder , von . . . . GELD REGIERT WELT ? FALSCH !! MACHT ÜBERS GELD REGIERT UND EROBERT ERDE und BENUTZT GELD ALS WAFFE GEGEN GEGNER und ZUCKER FÜR BENUTZBARE ODER FÜR DIENENDE . UND WARUM WURDE Steinbrück Millionär ? WEIL ERKLÄRTE WIE VOLK BENUTZEN WILL und FRIEDLICH VERKAUFEN LASSEN !! SO BLEIBT ES BEI : https://www.youtube.com/watch?v=u8-4n9yxZ_s MIT STEINBRÜCK und AUCH AfD oder SCHWARZEN oder . . . IST ÜBERHAUPT EINE PARTEI in BUNDESTAG DIE FREIHEIT GEBEN WILL UND NICHT BENUTZEN FÜR sich ???


    EIN BEITRAG von mir WURDE WIEDER GELÖSCHT und IST JA DANN KEINE ZENSUR , ABER ANDERS WERDEN WAHRHEIT NICHT LOS , denn WAR WAHR UND DA GEHT ZENSUR NICHT .

    ATHEIST SICH Gott , im WISSEN Gott . . .
    und SO KANN GARNICHT RASSIST SEIN und NIEMANDEN RASSEMACKE LEBEN LASSEN KÖNNEN .
    SOUVERÄN
    Frank Frädrich WILL AUCH WAHRHEITEN WISSEN WELCHE NURNOCH 4 IM ZUSAMMENHANG WISSEN


    MEDIEN WO EIN WORT VERBOTEN IST BETRÜGEN .
    AUF EINER ERDE WO GELDRECHT BEDIENEN MEHR WERT IST ALS MENSCHEN ZUM MENSCH SEIN DAS RECHT GEBEN und LEBEN LASSEN AUCH .

    " ESM " Hatte NICHT DEMOKRATIE Verhindert , SO WIE " DIE " ES WOLLTEN HÄTTEN FÜR IMMER BEKOMMEN , SONDERN GESET

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