Imageprobleme
Kölner Glanz, aber ohne Gloria

Es gab ein paar Umfragen zuletzt, in denen Köln nicht mehr so gut aussah wie früher. Man könnte auch sagen: Köln wird außerhalb nicht mehr so geliebt. Die Stadt hat ein Imageproblem. Nach der Kommunalwahl am Wochenende in Nordrhein-Westfalen soll deshalb alles besser werden – doch selbst ihrem besten Verkäufer fällt das schwer.

KÖLN. Kölns oberster Verkäufer hat alles anrichten lassen für die große Ehrenrettung. Seine Gäste erwarten ihn in einem gebuchten Hotelsaal unter einem opulenten Kristallleuchter. Die Wände sind mit hellblauen Stoffbahnen bespannt, der Blick aus dem Fenster fällt direkt auf den Dom. Das Excelsior Hotel Ernst, zu dem der Raum gehört, ist eine der ersten Adressen in Köln. Das trifft sich gut, denn auch Köln ist ja eine der ersten Adressen, im Land und auch sonst. So sieht es Norbert Walter-Borjans, schon von Berufs wegen. So sollen es auch seine Gäste sehen, spätestens wenn sie in zwei Tagen wieder fahren.

Walter-Borjans ist Wirtschaftsdezernent der Stadt Köln. Seine Gäste sind Journalisten. Walter-Borjans hat sie eingeladen, um zu zeigen, wie sich Köln entwickelt hat, als Wirtschaftsmetropole, als Stadt.

Es gab ein paar Umfragen zuletzt, in denen Köln nicht mehr so gut aussah wie früher. Man könnte auch sagen: Köln wird außerhalb Kölns nicht mehr so geliebt. Walter-Borjans hat seine Leute an einem Gegengift arbeiten lassen, zweieinhalb Tage Köln, Wohlfühl-Intensivprogramm: beste Orte, beste Plätze, beste Sicht. Gutes Essen, Hubschrauberflug, Führung über die Dächer des Doms, Übernachtung im Fünf-Sterne-Hotel. Solche Sachen. Damit alles wenigstens irgendwie auch mit Wirtschaft zu tun hat: Drei Unternehmensbesichtigungen sind auch ins Programm eingepasst.

Köln hat 2,7 Milliarden Euro Schulden, kein Geld also, schon gar nicht zu verschenken. Aber ist nicht guter Ruf teuer? Standortmarketing op Kölsch. Das ist der Plan.

Nur Norbert Walter-Borjans, Kölns oberster Verkäufer, kommt nicht. Zehn Minuten, fünfzehn Minuten, irgendwann erscheint ein Mann mit Schnauzbart und sagt: "Der Wirtschaftsdezernent lässt sich entschuldigen." Der Mann vertritt Walter-Borjans. Etwas ist schiefgegangen beim Ehrenrettungsversuch. Nur sieben Journalisten sind der Einladung gefolgt, einige auch nur unter der Bedingung, die Kosten selbst zu tragen. Und von denen will sich keiner einfach nur wohlfühlen, sie wollen Informationen, Fakten.

Walter-Borjans aber hängt fest. Eine Sitzung des Stadtvorstands dauert länger als geplant. Es liegt daran, dass Walter-Borjans sich rechtfertigen muss. Er hat in der vergangenen Woche Köln empört. Er hat angekündigt, aus Spargründen den Kulturetat um 30 Prozent zu kürzen. Seit Mai ist er nicht nur Wirtschaftsdezernent, sondern auch noch Kämmerer der Stadt, der Sparkommissar. Köln werden im nächsten Jahr wohl 350 Millionen Euro im Budget fehlen. Am Wochenende ist Kommunalwahl, die SPD - Walter-Borjans Partei - wird wohl gewinnen. Aber sie sollte ein paar Ideen haben, wie sie die Schulden verringern kann.

Kein Geld für Kultur, aber ein teures Wohlfühlprogramm für Journalisten, die das gar nicht wollen. Ist das die Antwort?

Die zweieinhalb Tage würden die Stadt 4 000 bis 5 000 Euro kosten, sagt der Stellvertreter. Das sei ja nicht so viel.

Statistisch gesehen sind das praktisch zwei Kölner. Denn je Einwohner hat die Stadt 2 612 Euro Schulden. Das ist nicht so wenig.

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