Immer mehr Anträge auf Kurzarbeit
Experten fürchten Massenentlassungen ab Sommer

Immer mehr Unternehmen setzen auf Kurzarbeit, doch das ist nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts erst der Anfang. Ab Sommer rechne das Münchner Wirtschafts-Institut mit "einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen am Samstag.

HB BERLIN. Das sagte Kai Carstensen der Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung. Vorerst wächst die Zahl der Anträge auf Kurzarbeit rapide an. Für das Gesamtjahr 2009 rechnet der Wirtschaftsexperte Carstensen mit deutlich mehr Arbeitslosen als bisher prognostiziert. "Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Jahresverlauf um bis zu 700 000 steigen", sagte Carstensen "Bild.de". Derzeit wolle jedes dritte Industrieunternehmen Stellen abbauen. Auch die Kurzarbeit werde für viele Firmen dauerhaft zu teuer.

Der Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, äußerte im "Euro am Sonntag" die Befürchtung, dass im Jahresverlauf die Kurzarbeit von Entlassungen abgelöst werde. Die Chefvolkswirte von Allianz und Deutscher Bank, Michael Heise und Norbert Walter, erwarten dem Blatt zufolge im laufenden Jahr den Verlust von 600 000 Arbeitsplätzen.

In der Metall- und Elektroindustrie rechnet nach den Worten von Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser jedes zweite Unternehmen damit, in diesem Jahr Arbeitsplätze streichen zu müssen. Nach zweieinhalb Jahren Beschäftigungsaufbau habe die Branche im November und Dezember erstmals wieder Jobs verloren, insgesamt 13 000, sagte Kannegiesser der "Welt am Sonntag". Dies werde sich leider fortsetzen, "trotz aller Bemühungen, Beschäftigung zu sichern." Wenn die jetzige Talfahrt so weitergehe, kündigte Kannegiesser an, "wird man mit Kurzarbeit nicht weiter als bis zum Herbst kommen".

Die Anträge auf Kurzarbeit schnellen derweil nach oben. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) geht im ersten Quartal von 700 000 bis 800 000 Erstanträgen auf Kurzarbeit aus, wie eine BA-Sprecherin dem "Euro am Sonntag" sagte. Die Bundesregierung will mit zusätzlichen Leistungen für Kurzarbeit dazu beitragen, Entlassungen zu verhindern. So wurde bereits Ende vergangenen Jahres die Höchstzahldauer beim Kurzarbeitergeld von zwölf auf 18 Monate verlängert.

Auch bei der Gütersparte der Deutschen Bahn, DB Schenker Rail, wird derweil über Kurzarbeit verhandelt. Laut Gewerkschaft Transnet war aber bis Samstag noch keine Entscheidung gefallen. Die Gespräche mit den Betriebsräten liefen seit mehreren Wochen, erklärte Transnet-Vize Wolfgang Zell am Samstag. Die Betriebsräte und die Gewerkschaft hätten im Vorfeld Bedingungen für eine Zustimmung zu Kurzarbeit formuliert. Die in Medienberichten genannte Zahl von 5000 von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten wollte Zell nicht bestätigen. Mitte kommender Woche sei mit Entscheidungen zu diesem Thema zu rechnen.

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