Immer mehr Industrieunternehmen lösen Tarifbindung
Bedeutung des Flächentarifs nimmt ab

Immer weniger Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, aber auch anderer Branchen sind an den Flächentarifvertrag gebunden. In der Metall- und Elektroindustrie seien vergangenes Jahr rund 580 Unternehmen aus der Tarifbindung ausgeschieden, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser dem Handelsblatt.

BERLIN. Im Jahr zuvor seien es 380 gewesen. „Die Entwicklung hat sich beschleunigt“, räumte der Verbandschef ein. Für 2004 gebe es noch keine Zahlen. Als Gründe nannte Kannegiesser die schlechte wirtschaftliche Lage, die viele Konkurse und Betriebsverlagerungen ins Ausland nach sich gezogen habe, sowie den Wunsch mancher Mitgliedsfirmen nach maßgeschneiderten betrieblichen Lösungen. Auch gebe es einzelne Unternehmen, die aus Unzufriedenheit mit zu hohen tariflichen Standards aus dem Flächentarifvertrag ausgeschieden seien, räumte er ein. Die Tarifabschlüsse der letzten Jahre waren in Teilen der Metallindustrie als unangemessen für die schlechte Wirtschaftslage kritisiert worden. Im März dieses Jahres stiegen die Tarifentgelte um 2,2 Prozent, im März 2005 werden sie um weitere 2,7 Prozent steigen.

Laut Kannegiesser nimmt die Zahl der Unternehmen, die ohne Tarifbindung (OT) Mitglied eines Metallarbeitgeberverbands seien, mit wachsender Geschwindigkeit zu. Mittlerweile würden rund 2 000 Metall- und Elektrobetriebe einem OT-Verband angehören (siehe „Ohne Tarifbindung“). Knapp die Hälfte der Firmen, die aus der Tarifbindung ausscheiden, würde in einen OT-Verband wechseln. Dabei handele es sich überwiegend um kleinere Firmen mit durchschnittlich 100 Beschäftigten. An den Flächentarifvertrag gebunden seien aktuell noch 5 100 Mitglieder von Gesamtmetall. Die Zahl ihrer Beschäftigten sei aber zehnmal so hoch wie in den OT-Verbänden.

Der Trend zum Rückzug aus dem Flächentarifvertrag herrscht auch in anderen Branchen wie der Textilindustrie sowie der Holz- und Kunststoffindustrie. Auch hier haben die Arbeitgeber OT-Verbände gegründet. „Das Interesse an einem Wechsel in OT ist recht groß“, sagte Helge-Martin Krollmann, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamttextil. Mittlerweile sei etwa ein Drittel der 1 500 Mitgliedsunternehmen ohne Tarifbindung organisiert. Der aktuelle Tarifkonflikt in der Textilindustrie, bei dem die IG Metall mit Warnstreiks gedroht habe, beschleunige diese Entwicklung.

Die Arbeitgeber in der Chemieindustrie dagegen sehen keinen Bedeutungsrückgang des Flächentarifs. Der Tarifvertrag mit der Gewerkschaft IG BCE biete alle Möglichkeiten der Flexibilisierung und Kostenanpassung, sagte ein Sprecher des Arbeitgeberverbands BAVC.

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