Immer weniger Deutsche wollen Kinder
Deutsche Männer: Zu lange im „Hotel Mama“

In Deutschland hängen junge Männer weit länger ökonomisch am Tropf der Eltern als beispielsweise in Frankreich, Skandinavien oder den USA. Nach einer neuen Studie des Bevölkerungswissenschaftlers Hans Bertram ist dies eine der Hauptursachen dafür, dass hier zu Lande weniger Kinder geboren werden, als in diesen Ländern.

HB BERLIN. „Deutsche Männer verlassen das Hotel Mama meist erst jenseits des 27. Lebensjahres, wenn sie ins Berufsleben eintreten.“ Damit falle die Entscheidung für Kinder sehr spät. „Da langt es dann, wenn überhaupt, nur für ein oder zwei Kinder,“ erläuterte Bertram die Ergebnisse der im Auftrag des Familienministeriums erstellten Untersuchung gestern in Berlin. Die Folge sei, dass die Zahl der Mehrkindfamilien in Deutschland immer stärker gesunken sei. Schuld daran trage auch der Staat, weil er in der Ausbildungsphase die Eltern mit Bafög, Kindergeld und Steuerfreibeträgen alimentiere, statt den Kindern direkt zu helfen.

„Derzeit ist der Anteil größerer Familien nur halb so hoch wie in den USA, Frankreich oder Finnland. Dagegen ist der Anteil der Männer und Frauen die ein Leben lang kinderlos bleiben in allen Industrienationen etwa gleich groß.“ Auch beim Anteil der Familien mit einem bis zwei Kindern seien die Unterschiede gering.

„Eine nachhaltige Familienpolitik muss deshalb sowohl die Entscheidung für das erste Kind erleichtern als auch die Bedingungen für Mehrkindfamilien verbessern,“ folgerte Bertram. Dabei brächten einzelne Maßnahmen wie die Einführung des Erziehungsurlaubs in den 80er-Jahren wenig. Nötig sei ein „Dreiklang von Infrastruktur-, Zeit- und Transferpolitik“.

Familienministerin Renate Schmidt (SPD) sieht sich durch die Studie in ihrem familienpolitischen Kurs bestätigt. „Wir setzen auf den Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und als Ergänzung auf ein einkommensbezogenes einjähriges Elterngeld.“ Erste Erfolge seien sichtbar sagte Schmidt und verwies auf die Teilnahme von 1000 Unternehmen an den Bündnissen für Familie.

Bertram lobte die Elterngeldpläne der Ministerin. Das Elterngeld, das in Schweden zu einem starken Anstieg der Geburtenrate beigetragen hat, mache klar, dass die Entscheidung, sich für eine bestimmte Zeit verantwortlich um das eigene Kind zu kümmern, aus gesellschaftlicher Sicht genau so wichtig sei wie der ausgeübte Beruf. „Und es sorgt dafür, dass die Frauen für die Geburt eines Kindes nicht auf ihre ökonomische Selbstständigkeit verzichten müssen.“

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