Immobilien: Horrortrip Wohnungssuche

Immobilien
Horrortrip Wohnungssuche

Erst ist sie optimistisch. Dann kommt die Panik. Denn unsere Redakteurin braucht eine neue Wohnung. Dringend. Doch Mietraum in Düsseldorf ist rar und die Quadratmeter vergoldet. Was zu absurden Begegnungen führt.
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DüsseldorfIch weine. Nicht nur ein paar Tränen, sondern richtig. Dann schreie ich. Weil niemand da ist, muss die Wand dafür herhalten. Jetzt fehlt nur noch, dass ich mit dem Fuß aufstampfe. Es ist peinlich und so lächerlich, aber ich kann nicht anders.

Es ist Samstag und es kommt wieder eine Absage. Dieses Mal für die Wohnung, auf die ich gehofft habe. Und bei der die Chancen 1:2 standen. Die Vormieterin hat nur mich und noch eine weitere Kandidatin an den Eigentümer weitergereicht. Doch selbst das reicht nicht. Also weine ich. Dann starre ich die Wand an.

Dass ich meine Wohnung gekündigt habe, ohne eine neue gefunden zu haben, war eine Kurzschlussreaktion. Und naiv. Ich hätte es besser wissen müssen. Denn in Düsseldorf ist die Situation nicht besser als in Köln oder Berlin, München oder Hamburg, wo Mietraum knapp und die Quadratmeter vergoldet sind. Natürlich gab es für meine Kündigung gute Gründe: der Preis, die Größe, die Lage und privater Kram. Erst war ich optimistisch. Dann kam die Panik.

„Maike Freund, guten Tag. Ich rufe wegen der Wohnungsanzeige an.“ Schweigen. „Können Sie mir noch ein bisschen was über die Wohnung erzählen und ist die denn überhaupt noch frei?“, versuche ich es noch einmal. Schweigen. „Hallo?“, frage ich nach.

„Was machen Sie denn beruflich?“ Immerhin eine Reaktion. „Ich bin Redakteurin beim Handelsblatt.“ Schweigen. „Kann ich mir die Wohnung denn mal anschauen?“ „Ich nenne Ihnen die Adresse. Gehen sie erst mal von außen schauen.“ Tuten in der Leitung.

Rücken gerade. Tief durchatmen. Freundlicher Blick. Lächeln. „Natürlich habe ich meine Unterlagen dabei.“ Nicken. Lächeln „Natürlich bin ich gerne breit, Ihnen meine Gehaltsabrechnungen auszuhändigen.“ Lächeln. „Natürlich komme ich gerne noch einmal zum weiteren persönlichen Kennenlernen.“ Lächeln. Nicken. Lächeln. „Leck mich am Arsch“, denke ich.

Kommentare zu " Immobilien: Horrortrip Wohnungssuche"

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  • Ja, es gibt einen Grund auf die Politiker wütend zu sein. Nämlich, dass Sie über die Wirkung des staatlichen Eingriffs belogen werden. Staatlicher Eingriff auf den Wohnungsmarkt ist die Ursache des Problems nicht die Lösung: Das Verbot die Miete für langjährige Mieter auf normales Marktniveau zu erhöhen führt zu Nicht-Auszug von Mietern, die mit spottbilligen Mieten riesige Wohnungen haben. Die Mietpreisbremse führt zu weniger Bauen. Die Bevormundung von Eigentümern und Mietern bezüglich des Energieverbrauchs führt zu horrenden Kosten der Modernisierung, die sich über die Energieeinsparung für den Mieter niemals rechnet und die ein wirtschaftlich denkender Mensch niemals gemacht hätte. Nichtzahlende Mieter aus der Wohnung zu klagen ist faktisch unmöglich, zerstörte Wohnungen ersetzt zu bekommen ebenfalls. Daher versucht der Vermieter möglichst viel Sicherheit wenigsten der monatlichen Zahlung zu bekommen, wenn alles andere schon nicht beeinflussbar ist. Den Bürgern wird vorgegaukelt, dass eine staatliche Lenkung des Wohnungsmarktes die Probleme löst. In der DDR hat der Staat die Wohnungsbewirtschaftung übernommen …
    Nach dem Krieg gab es ein wirkliches Problem, da Wohnungen zerstört waren. Auch da gab’s eine staatliche Bewirtschaftung, die den Mangel verwaltete. Erst mit freiem Markt hat der private Sektor das Angebot geschaffen.
    Der Wohnungsmarkt ist kein Markt mehr, der Staat fummelt überall mit und schafft das Problem, welches dann als Rechtfertigung für weiter Eingriffe dient. Die Lösung wird den südlichen Euroländern von uns empfohlen: Reformen. Einfach alle Mieter (auch die Bestandsmieter) faire Marktpreise für die Nutzung der ihnen überlassenen hohen Werte zahlen lassen und alle staatlichen Lenkungen streichen und Baugebiete ausweisen. Dann ist das Problem schnell gelöst: Neubauten gebaut mit Billigzinsen drücken die Mieten. Wer eine kleine Rente hat, kann sich nur eine kleine Wohnung leisten. Wer als Makler keine gute Leistung bietet, findet keinen Kunden.

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