In den Unternehmen wächst die Angst
Kippt die Konjunktur?

Während die Politik noch heftig über die Kapitalismuskritik von SPD-Chef Franz Müntefering diskutiert, sorgt sich die Wirtschaft über die sich eintrübenden Geschäftsaussichten im laufenden Jahr. Vor allem die schwache Binnenkonjunktur macht den Unternehmen zu schaffen.

doh/tak/tel DÜSSELDORF. Sie schlägt sich in den jetzt einlaufenden Geschäftszahlen zum ersten Quartal nieder. Für den weiteren Jahresverlauf wächst die Angst vor einem Abkippen der Konjunktur.

So spricht Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller von einem schwierigen Konjunkturumfeld und wagt nur einen zurückhaltenden Ausblick. Der Konsumgüterhersteller Henkel meldet zwar Wachstum in Deutschland. Aber dies führt Henkel-Chef Ulrich Lehner auf neu eroberte Marktanteile zurück. „Die Deutschen halten sich beim Konsum nach wie vor zurück“, sagte Lehner gestern anlässlich der Vorlage der Quartalszahlen. Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro konnte seinen Umsatz im ersten Quartal gerade halten. Mit einer Konjunkturerholung rechnet Metro-Chef Hans-Joachim Körber frühestens in der zweiten Jahreshälfte.

Diese Hoffnung könnte jedoch trügerisch sein. Die aktuellen Werte des Handelsblatt-Frühindikators signalisieren ein langsameres Wachstum im dritten Quartal. „Vor allem die Inlandsnachfrage ist wieder in ihren alten Trott zurückgefallen und lag zuletzt in der Industrie erstmals sogar wieder unter ihrem entsprechenden Vorjahresstand“, sagt Ulrich van Suntum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Münster. Der Ökonom hat den Frühindikator für das Handelsblatt entwickelt.

Für das Gesamtjahr 2005 stellt der Handelsblatt-Frühindikator nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent in Aussicht. Die in der vergangenen Woche um 0,6 Prozentpunkte nach unten revidierte Prognose der Regierung von 1,0 Prozent Wachstum sei „eigentlich schon Makulatur“, sagt van Suntum.

Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten nur noch ein Wachstum von 0,7 Prozent. Am pessimistischsten ist das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das ein Wachstum von 0,6 Prozent in diesem Jahr erwartet. Selbst diese Schätzung beruht jedoch auf der Annahme, dass sich die Entwicklung im zweiten Halbjahr verbessert. Joachim Scheide, Leiter der IfW-Konjunkturabteilung, warnt: „Harte Indikatoren dafür gibt es noch nicht.“ Ein noch geringeres Wachstum sei daher nicht auszuschließen.

Ähnlich pessimistisch äußert sich Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI): „Das erste Halbjahr 2005 ist eine Periode enttäuschter Hoffnungen, das bereitet mir Sorge für das zweite Halbjahr.“ Die schlechten Zahlen seien zwar „ernüchternd, aber nicht überraschend“. Vor allem die Binnennachfrage sei schwächer geblieben als erhofft. Das liege auch an der Verunsicherung der Verbraucher, die wegen der hohen Arbeitslosigkeit immer noch groß sei. Zudem schöpfe der hohe Ölpreis erheblich Kaufkraft ab. Und auch die Weltwirtschaft entwickle sich vergleichsweise schwächer als im vergangenen Jahr.

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