In der Landtagsfraktion hat sich viel Wut gegen den Regierungschef angestaut
Stoiber muss sich warm anziehen

Edmund Stoiber bleibt Ministerpräsident in München. Alles bleibt, wie es ist, und so haben es die konservativen Bayern in der CSU eigentlich am liebsten. Doch in München hält sich die Begeisterung über Stoibers Bleiben in Grenzen.

MÜNCHEN. Namentlich ließ sich zunächst zwar nur Ex-CSU-Chef Theo Waigel zitieren. „Wenn Edmund Stoiber glaubt, in München dort weitermachen zu können, wo er aufgehört hat, dann täuscht er sich“, lästerte der frühere Bundesfinanzminister, dem Stoiber einst den CSU-Vorsitz raubte. Hinter vorgehaltener Hand fallen die Urteile kerniger aus. „Der hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank“, poltert ein einflussreicher Fraktionär über den Heimkehrer. Stoiber werde angesichts des herrschenden Ausmaßes an „Unzufriedenheit, Wut und Entsetzen“ keinen leichten Stand mehr in München haben.

Unter dem autoritären Führungsstil der Staatskanzlei leiden Fraktion und Kabinett schon seit langem. Von Wut und Entsetzen ist aber erst seit zwei Wochen die Rede. Damals hatte Stoiber durchgesetzt, dass sein Nachfolger erst am 15. November gewählt wird, und so Partei, Fraktion und Kabinett einen ungewollten, aber nicht mehr vermeidbaren Machtkampf um seine Nachfolge aufgezwungen. Seitdem hieß es in den Fluren des Münchener Maximilianeums immer lauter: „Reisende soll man nicht aufhalten.“

Doch Konsequenzen zieht kaum einer aus der schlechten Stimmung. Immerhin, ein Kabinettsmitglied wagt einen Blick in die nähere Zukunft und sieht dort kühne Dinge: Stoiber müsse „jetzt schauen, dass er seinen Hof ordnet, und ihn ein Jahr vor der Landtagswahl übergeben.“ Doch so recht glauben mag daran in München kaum jemand. Ein Putsch gegen Stoiber gilt jedenfalls als ausgeschlossen. Zum einen, weil die Fraktion in der Nachfolgefrage zwischen den Aspiranten Erwin Huber und Günther Beckstein gespalten ist. Zum anderen, weil auch Fraktionschef Joachim Herrmann Stoibers Demontage nicht betreiben wird: Der erst 49-jährige Franke gilt als erste Wahl für den Ministerpräsidentenjob, wenn Stoiber noch länger im Amt bleiben sollte. „Es könnte jetzt Herrmanns große Stunde sein“, meint ein CSU-Fraktionsmitglied, „aber er wird ihr nicht gerecht werden.“

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