In der Santé endet eine beispiellose Flucht
Das Phantom will nur noch nach Hause

Ein ermatteter Holger Pfahls ergibt sich in Paris der Polizei, und in der Union wird noch einmal die Angst vor dem Spendenskandal wach.

PARIS/BERLIN. Die Avenue Suffren ist das, was man in Paris ein „quartier chic“ nennt, eine mehr als gute Adresse. Nur einen Steinwurf vom Pariser Eiffelturm entfernt, leben hier die Reichen, die Erfolgreichen. Der Zugriff, der am Dienstagmittag erfolgt, ist professionell vorbereitet, schmerzlos sozusagen. Als Holger Pfahls sein Appartement kurz vor eins verlässt, warten vor der dunklen Haustür ungebetene Gäste: Beamte des Bundeskriminalamts und der französischen Polizei. Die Festnahme ist gut vorbereitet, selbst ein Kamerateam ist mit von der Partie. Wenige Stunden später, als die Nachricht im Nachbarland längst für erhebliche Aufregung gesorgt hat, wird die Ausstrahlung des Videos der Festnahme von den Behörden untersagt.

Pfahls soll überrascht gewesen sein, heißt es aus Justizkreisen. Er leistet keinen Widerstand, gibt freiwillig seine Identität preis. Sicherheitshalber überprüfen die Beamten des BKA seine Identität anhand von digitalen Abdrücken. Bald darauf steht fest: Er ist es. Pfahls wirkt geschwächt, einen Tag später meldet die Bild-Zeitung, der herzkranke Pfahls habe drei Schlaganfälle erlitten und wolle nach Deutschland zurück.

Im Internet, auf der Fahndungsseite des Bundeskriminalamts, sah man Holger Pfahls wie einen in Ehren ergrauten Versicherungsvertreter. Schmale Lippen, klare Züge, rechts der Scheitel, kurzes, adrett geschnittenes Haar. Kein wirklich unsympathischer Typ, eher ein Biedermann, bis Dienstag einer der meistgesuchten Männer der Republik, 5000 Euro Belohnung waren auf ihn ausgesetzt, tausend Euro für jedes Jahr Flucht.

Wer es ganz genau wissen wollte, der bekam beim BKA nicht nur 16 Fotomontagen zum möglichen Erscheinungsbild des abgetauchten Ex-Staatssekretärs geliefert, sondern sogar dessen Zahnbefund: „Neue Brücke 14 bis 24“ samt entsprechender Skizze aus den „Zahnärztlichen Mitteilungen“.

Seit gestern Mittag ist das Dossier gelöscht, dafür lobt Innenminister Otto Schily dort jetzt die „hervorragende Arbeit“ der Fahnder. Im Bundeskriminalamt sind die Beamten auch zwei Tage nach der Festnahme noch in Feierlaune. „Da kann man doch stolz sein, wenn einem einer der meistgesuchten Männer ins Netz geht“, sagt einer. Das Lob von Innenminister Otto Schily tut ihnen gut, zu lange hatte sie dieser Mann an der Nase herumgeführt.

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