In eigener Sache: H10-Syrien-Spezial
Vom Medizinstudenten zum Schlächter von Syrien

Syriens Machthaber Assad führt seit Jahren Krieg gegen sein eigenes Volk. Lässt Moskau ihn nicht fallen, wird er an der Macht bleiben. Diesen und weitere Artikel finden Sie heute in einer Syrien-Sonderausgabe der H10-App.

Dass Herrscher an der Macht hängen, ist menschlich. Dass sie nicht kampflos gehen, ist verständlich. Doch Syriens Machthaber überrascht darin, wie weit er zu gehen bereit ist. Gerade einer wie Baschar al-Assad, der Syrien endlich ans World Wide Web bringen, die Planwirtschaft in die Globalisierung führen wollte. Von seinem begonnenen Facharzt für Augenmedizin in Großbritannien brachte er seine Ehefrau mit: eine in England aufgewachsene Finanzanalystin. Schillernd, modern, westlich angehaucht schien das neue Herrscherpaar, es ließ sich in Lifestyle-Flaggschiffen wie der „Vogue“ feiern.

Doch der arabische Frühling machte aus dem blassen Studenten den Schlächter von Syrien. Er bekämpfte nicht nur die Rebellen, die ihn absetzen wollten, sondern begann, sein eigenes Volk auszurotten. Unabhängige Beobachter werfen ihm vor, Giftgas und Splitterbomben zu benutzen: Waffen, die in der Kriegsführung seit Jahren geächtet sind. Er überließ große Teile des Landes der marodierenden Terrormiliz IS. Selbst neutralen Beobachtern fällt es schwer zu sagen, wer in diesem Krieg für die meisten Gräueltaten verantwortlich ist. Mittlerweile werden sogar Krankenhäuser und Hilfskonvois gezielt bombardiert, worüber Assads Diplomaten nur lachen. Die einst glanzvolle Stadt Aleppo ist nach monatelangen Bombardierungen komplett zerstört. Der Krieg hat bisher 300.000 Tote gefordert, elf Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Und es geht immer noch schlimmer: Seit vergangener Woche setzen syrische und russische Truppen die gefürchteten Mehrfachraketenwerfer TOS-1A ein, eine Waffe „eine Stufe unter der Atombombe“, wie westliche Diplomaten sagen. Eine Raketensalve errichtet eine Art Brandglocke mit einem Radius von 200 Metern. Feuer und Druck darunter zerstören alles, die Wucht bringt sogar Schutzbunker zum Einsturz. Und solange Russland Assad nicht fallen lässt, muss der Rest der Welt, allen voran die Uno, mit ihm verhandeln. Mit einem Mann, der nicht einmal zugeben will, dass sein Land sich im Bürgerkrieg befindet.

Dieser Artikel ist einer von zehn Artikeln aus der aktuellen Syrien-Sonderausgabe unserer App „Handelsblatt 10“, die heute exklusiv kostenlos verfügbar ist. Ein Jahr nach dem Kriegseintritt von Russland zeigen wir, wie dieser Krieg die Welt verändert hat. Die Smartphone-App ist für die Betriebssysteme iOS und Android verfügbar und kostet normalerweise 1,99 Euro pro Monat. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, finden Apple-Nutzer weitere Artikel hier. Für Android-User gibt es die Handelsblatt10-App an dieser Stelle.

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