In eigener Sache
„Problempeer“ oder Opfer der Medien?

Im Handelsblatt wurde Peer Steinbrück in der jüngsten Zeit stark kritisiert. Viele Leser empfinden das als Medien-„Bashing“ gegen den SPD-Kanzlerkandidaten. Sind Medien ungerecht oder wird Steinbrück zur Mitleidsfigur?
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DüsseldorfKanzlergehalt, Hilfen für die Wirtschaft, Bonn-Berlin-Umzug – in den vergangenen Tagen war Peer Steinbrück in den Medien so gut wie dauerpräsent. Anfangs wurde über die Auftritte und Aussagen des SPD-Kanzlerkandidaten im Netz viel geschmunzelt, bei Twitter nannte man Steinbrück sogar „Fettnäpfchensuchmaschine“.

Inzwischen werden aber auch Stimmen laut, die das angebliche „Steinbrück-Bashing“ der Medien kritisieren. Dabei wird auch das Handelsblatt, das am Mittwoch unter der Überschrift „Wie lange noch?“ mit einem Artikel über den Kanzlerkandidaten der SPD aufmachte, in die Mangel genommen.

Ist das ein Teil des allseits beliebten Shitstorms? Handelsblatt macht mit? So etwas...“, empört sich ein Nutzer auf der Facebook-Fanpage des Handelsblatt. Ein anderer sagt es noch krasser: „Wulff ist medial fast entsorgt, also los jetzt, (...) volle Breitseite. Es lebe die Schlagzeile, was sollen wir mit Inhalt. (…) Kurzum: Ihr widert mich an.“

Mathias Klein allerdings verteidigt die Handelsblatt-Berichterstattung: „Worüber soll das Handelsblatt denn schreiben, wenn nicht über solche erbärmlichen Verhaltensweisen und Aussagen eines Herrn Steinbrück? Ich bin auch Rot/Grün-Wähler, aber was sich ‚Mr. Stonebridge‘ da so alles geleistet hat in den letzten Wochen, ist unterste Schublade.“

Auch bei Twitter ist Steinbrücks Medienpräsenz Thema. So fragt @spd_stefan ironisch in die Runde: „Unbestätigten Berichten zu Folge soll Steinbrück heute Nacht schlafen. Wissen @spiegel_politik, @welt, @focusonline oder @handelsblatt mehr?“ Die Antwort kommt prompt: „Die ‚recherchieren‘ wahrscheinlich gerade, ob er mal im Schlaf Geld verdient hat.“

Ebenso ironisch äußert sich @robinhaseler: „Wichtige Meldung: Steinbrück laut Medienberichten schuld.“ Twitterer @eFlation empfindet die aktuelle Berichterstattung ebenfalls als „Bashing“ – und sogar als „Gefahr für die Demokratie“.

In der Handelsblatt-Online-Community verteidigt Nutzerin GerdaG den SPD-Kanzlerkandidaten: „Liebes Handelsblatt, ich bin seit 28 Jahren wahlberechtigt und habe noch nie SPD gewählt, aber ich muss den Mann jetzt doch mal in Schutz nehmen. Es ist viel heiße Luft, was vom Handelsblatt zum Thema Steinbrück kommt. Er kann's Ihnen nicht recht machen, egal was er tut“, schreibt die Leserin.

Andere scheint der Spaß aber noch nicht vergangen zu sein. Das Stichwort #Problempeer jedenfalls geistert bereits seit ein paar Tagen durch die Twitter-Welt...

 
Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media

Kommentare zu " In eigener Sache: „Problempeer“ oder Opfer der Medien?"

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  • Danke, dass da mal gesagt wurde.
    Klar ist das Problem der FDP nicht nur selbstgemacht, es sind immer wieder die rot grün medien die negativ dazu berichten. Das fing mit Westerwelles Dekadenzthema an.

  • Ja, ich denke auch, dass durch solche Honorare mitunter Politiker angefüttert werden oder dass man sich bereits bedankt. Allerdings gibt es auch Größveranstaltungen von Unternehmungen, wo man dieses Event durch illustre Persönlichkeiten anreichern möchte, ebenso wie beispielsweise durch einen bekannten Star aus der Musikszene.
    In den USA sind ja auch diese ilustren Mittagessen in, 10.000 Döllerchen für Lachs mit Kaviar inkl. den leihweisen Erhalt einiger Politikerohren für die Belange der jeweiligen Persönlichkeit.
    Meist behandeln Medien wie Presse und TV dergleichen diskret, aber wenn von interessierter, einflußreicher Seite entschieden wird, jemanden zum Abschuß freizugeben, dann passierts auch.
    Personen die sich sicher geglaubt hatten, fliegen plötzlich die blauen Bohnen um die Ohren.
    Man will nicht noch einmal ein so erfolgreiches und starkes Gespann wie Mekel und Steinbrückle, denn dann ist es nicht so leicht und kostengünstig starke Gedanken und Vorhaben solcher Politiker über die Flügel, also FDP (Sag niemals Nein) oder Grün/Rot zu zerschreddern.
    Gerade die Finanzindustrie haßt starke Regierungen, also wird ausgepackt was man weiß und nach sochen Kampagnen ist ein solcher Politiker brav, wenn er überhaupt noch oben mitschwimmen kann.
    Steinbrück hat erreicht, dass die Praktiken der Schweiz aufdeckt und weitgehend geschrumpft wurden, also fliegen jetzt vor den Wahlen halt die blauen Bohnen. Das Schweiz und Finanzindustrie eins ist und die gleichen Interessen hat, wie die Wallstreet oder die Londoner City, Hedge-Fonds wie die Goldmänner dürfte mittlerweile vielen ebenfalls klar sein.

  • Politiker sind halt manchmal naiv, sie machen irgendwann ihre ersten Schritte nach oben und finden nichts dabei, sich hier und da helfen oder zum Urlaub einladen zu lassen und später wenn sie in Amt un Würden sind, kommt dies auf sie zurück, vor allem, wenn sie jemandem unbequem werden, geben interessierte Kreise den einenmoder anderen zu Abschuß frei, sei es Wulff, sei es Steinbrück. Was hat beispielsweise Wulff wirklichmschlimmes gemacht, er hat sichnbei der Hausfinanzierungnhelfen lassen, zu einigen Urlaubenmverhelfen lassen und er hätte sich in speziell einem Fall einen zweifelhaften Unternehmer etwas genauer anschauen sollen. Nichts was mir sorgen oder Angst machen würden, er wäre erpressbar.
    Ähnlich bei Steinbrück. Er bot sich beispielsweise bei Thyssen-Krupp an, hinsichtlich der Umweltauflage zu helfen, aberndiese Hilfe betraf,nicht nur diesen Stahlladen, sondern gilt mittlerweile für etwa 1000 Unternehmen. Das hätte ich auch gemacht in seiner Position. Durch Fracking können eine ganze Reihe von Ländern ihre Energiepreise erheblich senken, in Amerika beispielsweise kostet Gas mittlerweile nur noch 1/4-1/3 wie in good old Germany.
    Das soetwas passieren kann,,hat man hier bei der Energiewände mal wieder nicht bedacht und in Amerika findet deshalb z.Zt. eine Reindustrialisierung statt, Krise war dort gestern, es ist nur noch !!!) nicht auf dem öffentlichem (!!!) Radar der Analysten. Doch jetzt stellt man Steinbrücks Handeln (Merkel war allerdings auch dabei) als üble Gesinnung dar. Es war aber richtig, was er tat und wir werden ncoh mehr machen müssen um das puschen der Energiepreise zurückzudrehen um Schaden für uns zur vermeiden. Also weshalb diese überaus einseitige, überzogene Kritik. Der Ausdruck Bashing scheint mir korrekt, nur warum macht man das in seinem Fall (?) und bei Wulff sieht es so aus, als wolle man ihn als Mensch zerstören. Man vergleiche graduell, was Wowereit der Parylöwe schon alles angestellt hat in seiner Karriere.

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