Industrie
Stärkstes Auftragsminus seit einem Jahr

Im Oktober hat die Industrie 2,2 Prozent weniger Aufträge erhalten. Vor allem die Bestellungen von Investitionsgütern gingen stark zurück. Tendenziell soll die Nachfrage aber wieder steigen.
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BerlinUnerwarteter Rückschlag für die deutsche Industrie: Ihre Aufträge sanken im Oktober so stark wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Wegen der geringeren Nachfrage nach Maschinen und anderen Investitionsgütern fielen sie um 2,2 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 0,6 Prozent gerechnet. Im September waren die Bestellungen - vor allem wegen vieler Großaufträge für den Flugzeugbauer Airbus - noch um 3,1 Prozent gestiegen. Diesmal gab es weniger Großaufträge als üblich. Die Regierung geht aber von einer grundsätzlich anhaltenden Erholung aus.

„Die aktuell schwächere Entwicklung geht ausschließlich auf die Abnahme der Bestellungen an Investitionsgütern zurück, die sich im Monat zuvor im selben Umfang erhöht hatten“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. „Hier machen sich die starken Schwankungen der Großaufträge bemerkbar.“ Tendenziell ziehe die Nachfrage weiter an. "Dies deutet auf eine fortgesetzt positive Entwicklung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten hin", so das Ministerium.

Ökonomen sind etwas vorsichtiger. „Es gibt in der Industrie derzeit keine allzu große Dynamik“, sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. „Das Wachstum kommt eher von der Inlandsnachfrage wie durch den Konsum und Bauinvestitionen, weniger vom Export.“ Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist enttäuscht, dass aus dem Inland den zweiten Monat in Folge weniger Investitionsgüter nachgefragt wurden. „Das Anspringen der Investitionskonjunktur in Deutschland ist beileibe noch kein Selbstläufer“, sagte DIHK-Konjunkturexperte Dirk Schlotböller.

Die Bestellungen für Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und andere Investitionsgüter gingen um 5,2 Prozent zurück. Die Nachfrage nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien zog hingegen um 2,2 Prozent an, die nach Konsumgütern um 0,6 Prozent. Die Aufträge aus dem Inland schwächten sich mit 2,0 Prozent etwas weniger stark ab als die aus dem Ausland mit 2,3 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bei diesem Dollarkurs wird es eben schwieriger mit dem Export. Der Dollar ist seit über einem Jahr kontinuierlich an abwerten bzw. der Euro am aufwerten.

    Wird mal wieder Zeit, dass einer der PIGGS-Staaten im EURO-Raum für Negativschlagzeilen sorgt und über die Klinge springt. Dann fällt der EURO erwartungsgemäß wieder, der PIGGS-Staat hält die Hand auf. Der Rettungsschirm rettet, Deutschland exportiert wieder und zahlt und alle sind wieder zufrieden und wurschteln so vor sich hin, ein circulus vitiosus.

    Anschließend sind wieder die USA mit Negativnachrichten dran. Sie werden dann wieder vehement über die verfassungsrechtliche Schuldengrenze schlechte Nachrichten verbreiten und Behörden schließen - Honey because It's Showtime! Oh Wunder, der Dollar fällt wieder, die USA ist wieder exportfähig, hurra.

    Und so geht das Spiel abwechselnd immer weiter, wäre da nicht...

    ...tja, bis eines Tages Japan dran ist mit den Export schlechter Nachrichten, frei nach dem Motto: "Leider haben wir den Staat hoffnungslos überschuldet." (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157855/umfrage/laender-mit-der-hoechsten-staatsverschuldung/)

    Der Planentwurf sieht vor, dass dann alle auf Japan mit dem Finger zeigen und "bad boy" rufen: Nun gibt es endlich einen Schuldigen für die Geschichtsschreibung, weil der Yen die Währung eines Staates ist, der international als Währung eines Einzelgängers aufzufassen ist. Wer will schon die Währung eines Einzelgängers retten?

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